1929

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  • 6. September: Geburtsjahr der Energie-Aktien-Gesellschaft Mitteldeutschland (EAM), damals noch Elektrizitäts-Aktien-Gesellschaft. Bis zum Gründungsdatum am 6. September versorgten neun kommunale Stromversorger das Gebiet um Kassel.

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  • 29. Dezember: In Kassel entstehen die "Städtischen Werke" als Energieversorger, die damals 42 Kilowattstunden Strom und neun Millionen Kubikmeter Wasser an ihre Kunden liefern.

Sonstige

Kilowattstunde und Kunstgenuß

Gas, Wasser, Strom und Licht: 1929 werden die Städtischen Werke und die EAM gegründet. In der Orangerie findet eine große Kunst-Ausstellung statt.

Begonnen hat alles im Jahr 1869. Da wurde eine 17 Kilometer lange Quellwasserleitung vom Niestetal nach Kassel gelegt – der Anfang der Trinkwasserversorgung in Kassel. Und noch zwei weitere Jahreszahlen vor dem Jahrhundertwechsel haben Signalcharakter für den Standard an Rundum-Versorgung, den man heute gewohnt ist: 1894 wurde das erste Gaswerk in der Nürnberger Straße eingeweiht, 1890 ging die Neue Mühle als erstes Elektrizitätswerk ans Netz, konstruiert von Oskar Miller, der später das Deutsche Museum in München begründen sollte.

Als in den 20er Jahren der Bedarf an Energie, an fließendem Wasser und an Gas in die Höhe ging, reichten diese Pionieransätze nicht mehr aus. Um die Verwaltung zu vereinfachen, wurden 1924 die "Gewerblichen Werke der Stadt Kassel" gegründet, fünf Jahre später, am 29. Dezember, hieß der Energieversorger "Städtische Werke" und startete mit einem Grundkapital von zwölf Millionen DM.

Die ersten Jahresbilanzen: 42 Kilowattstunden Strom wurden 1929 von den Kunden verbraucht (zum Vergleich: 1997 waren es 844 Millionen Kilowattstunden). Neun Millionen Kubikmeter Wasser floßen durch die Leitungen (1997: 13 Millionen Kubikmeter). In den Hallen- und Freibädern erfrischten sich 1930, im ersten Jahr, für das eine Zählung vorliegt, 230000 Menschen (1997: 357000).

Noch ein anderer Versorgungsriese nennt 1929 als sein Geburtsjahr: Die heutige Energie-Aktien-Gesellschaft Mitteldeutschland (EAM), damals noch Elektrizitäts-Aktien-Gesellschaft. Bis zum Gründungsdatum am 6. September versorgten neun kommunale Stromversorger das Gebiet um Kassel herum – diese schlossen sich mit der Preußischen Elektrizitäts-AG zusammen (Gründungs-Aktienkapital: 24 Millionen Reichsmark, Grundkapital 1996: 120 Millionen DM). Die EAM war damit für ein Areal zuständig, das nicht nur neun hessische Landkreise, sondern auch vier niedersächsische Kreise sowie die Stadt Göttingen, einen Kreis in Nordrhein-Westfalen sowie einen in Thüringen umfaßte. Die neu gegründete Gesellschaft zog in das Verwaltungsgebäude des Zweckverbands Edertalsperre in der Wilhelmshöher Allee 2.

1929 war nicht nur das Jahr von Gas, Wasser und Licht, sondern auch eins der Kunst: Vom 1. Juni bis zum 1. September fand die "Vierte große Kunstausstellung Kassel" in der Orangerie statt. Wie die "Kasseler Neuesten Nachrichten" bereits am 17. Februar schrieben, soll die Ausstellung "einen Querschnitt der heute in der Stille, in den Ateliers und Akademien ringenden Jugend bieten, die heute malerisch und plastisch das Antlitz der Zeit formen." Um eine Auswahl zu treffen, waren in den folgenden Wochen die Maler Bode und Dersch nicht nur in Kasseler Ateliers unterwegs – die Schau war deutschlandweit angelegt. Nicht nur der Nachwuchs bekam Raum: In einer Abteilung wurde das Werk von Max Beckmann und Karl Hofer gezeigt, ein "Sonderkabinett" war den "Meistern und Schülern" des Bauhauses Dessau gewidmet.

10 000 Reichsmark stellte das Ministerium für Wissenschaft und Kunst zur Verfügung, Bezirksverband und Stadt steuerten je 5000 Reichsmark bei. Eröffnet wurde die Ausstellung am Samstag, 1. Juni, von Dr. Karl Pfeiffer, dem Vorsitzenden des Kunstvereins, und von Oberbürgermeister Stadler.

Dieser faßte die Schau in einem klassischen Politiker-Satz zusammen: "Die Offenbarung neuen Schaffens ist genauso wichtig wie die Pflege alter Kultur."

Arbeiterjugend führt Massenspiel "Spartakus" auf

Lange hatten die jungen Männer und Frauen geprobt, am 24. Juni konnten sie ihre Künste vorführen: Die Arbeiterjugend führte an diesem Sonntag das Massenspiel "Spartakus auf. Dieses Spektakel war der Höhepunkt des groß angelegten "Festes der Arbeit", das vom 22. bis zum 24. Juni stattfand, und bei dem die "kulturelle Höhe der Arbeiterschaft" demonstriert werden sollte. So stand es in dem Aufruf, der von diversen Gewerkschaften und von der SPD unterzeichnet worden war. An den drei Tagen im Juni traten Arbeitersänger und -sportler auf, außerdem gab es einen großen Umzug. Das "Fest der Arbeit" kulminierte am Sonntag: Bereits nachmittags spielte die "Reichsbanner Kapelle" im Park Schönfeld.

Um 18 Uhr wurde der Park geräumt, nur Inhaber von Eintrittskarten (Sitzplatz: eine Mark, Stehplatz: 50 Pfennige) durften bleiben, um sich das "Massenspiel" anzusehen. Die Arbeiterjugend, seit 1909 in unterschiedlichen Gruppen organisiert, begeisterte sich sehr für die Laienspielarbeit. Besonders beliebt waren derb-komische Hans-Sachs-Spiele wie "Das Kälberbrüten", aber auch Klassiker. Die Gewerkschaftsjugend brachte aber auch eigene Erlebnisse aus den Betrieben auf die Bühne, beispielsweise Probleme mit älteren Gesellen.

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