1927

Aus Regiowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
| 19. Jahrhundert | 20. Jahrhundert | 21. Jahrhundert | ► Portal: Geschichte

◄◄ | | 1923 | 1924 | 1925 | 1926 | 1927 | 1928 | 1929 | 1930 | 1931 | | ►►

Ereignisse

Januar

  • noch kein Eintrag

Februar

  • noch kein Eintrag

März

  • noch kein Eintrag

April

  • noch kein Eintrag

Mai

  • noch kein Eintrag

Juni


Juli

  • noch kein Eintrag

August

  • noch kein Eintrag

September

Oktober

  • noch kein Eintrag

November

  • noch kein Eintrag

Dezember

  • noch kein Eintrag

Sonstige

Töff-töff Hurra fürs Automobil

Kassel befindet sich im Rausch der Geschwindigkeit, im Bann der Mobilität, insbesondere durchs Automobil.

"Dieser und jener Wagen hinterläßt eine aromatische Duftwolke, die der Fachmann verständnissinnig lächelnd wahrnimmt." Hier begeistert sich ein Reporter der Kasseler Post für: Autoabgase!

In diesem Sommer sind alle verrückt nach Zylindern, Kurbelwellen und Co. In und um Kassel gibt es Autorennen und organisierte Ausflugsfahrten noch und nöcher. So auch die "Zuverlässigkeitsfahrt rund um den Kaufunger Wald". Ausdrücklich genannte Bedingung zur Teilnahme an dieser vom Automobilclub für jedermann organisierten Rallye ist das pünktliche Erscheinen am Start.

Bei einem anderen motorsportlichen Ereignis dürfen die Kasseler lediglich die Rolle von jubelnden Zaungästen spielen: Bei der Deutschlandfahrt des ADAC ist Kassel auf der Route eine wichtige Etappe. "Nach und nach sammelten sich die annähernd hundert Autos auf dem Friedrichsplatz", berichtet die Kasseler Post am 2. August. "Willkommen in Kassel" begrüßen Transparente die Motorsportler, und die Menschenmassen grölen den "zünftigen Hochruf Töff-töff Hurra".

Ein "bunt bewegtes Bild" bietet sich dem Publikum, setzen sich doch die Fahrzeuge aus den verschiedensten Typen zusammen: vom gelenkigen, kleinen Hanomag bis zum repräsentativen Siebensitzer. Einziger Wermutstropfen: Die "ungeheuere Staubentwicklung" in der Kohlenstraße und im Druseltal verdirbt den Genuß. Großen Dank sprechen die Veranstalter der Stadt aus: "Liege doch die Zeit nicht allzu weit zurück, da Autler und Behörden immer ein bißchen auf Kriegsfuß standen." Diese technikfeindlichen Zeiten sind vorbei. Die Verwaltung kommt den Wünschen einer mobilen Stadt immer stärker nach.

In den Zeitungen gibt es Sonderbeilagen zum Thema "Das Kraftfahrzeug". "Wegen einer Unsitte allerersten Grades muß einmal mit aller Entschiedenheit Front gemacht werden", ist da in der Kasseler Post zu lesen. Gemeint ist das "Rauchen am Lenkrad". Diese "das Feingefühl des Sportsmannes verletzende Taktlosigkeit" nehme bedauerlicher Weise "im Stadtverkehr als auch im Überlandverkehr ungeahnte Formen an".

Was den Motorsportlern recht ist, ist dem geschwindigkeitsbegeisterten Bürger mit kleinem Geldbeutel nur billig: In "baldige Aussicht gestellt" wird deshalb die Einrichtung eines "neuen Verkehrsunternehmens im Stadtbereich". Die Rede ist von einem Autobus. 35 Personen sollen in ihm "bequem Platz haben". Die Zeitungen argumentieren souverän: Der Autobus-Schnellverkehr hat gegenüber der Straßenbahn den Vorteil einer "bedeutenden Zeitersparnis". Schließlich gehört zum Auto-Fieber auch, daß sich die Öffentlichkeit vermehrt Gedanken über "Fehlanlagen im Verkehr" macht. Schon damals plagen die Auto-Fans Sorgen wie die "Einschnürungen der Fahrbahn neben den Straßenbahngleisen."

Bewegung herrscht aber nicht nur zu Lande. 1927 kann in Kassel auch ein "reger Luftverkehr" verzeichnet werden. Die Statistik der Lufthansa für Juli auf dem Flughafen Kassel weist 487 angekommene und 478 abgeflogene Passagiere aus.

Doch der Preis für den wachsenden Mobilitätswahn tritt ebenfalls dramatisch hervor. Immer häufiger sind Berichte zu lesen mit Schilderungen grausamer Verkehrsunfälle: "Von der Lokomotive zermalmt - Der Schwerhörige hatte den Zug nicht bemerkt" oder am gleichen Tag die Meldung eines folgenschweren Autounfalls: "Steuerung versagt". Der Wagen des Fabrikbesitzers Barnewiz fuhr in ein Weizenfeld und überschlug sich. Die Mitfahrerin wurde getötet.

Ganz Kassel in einen Schock versetzt ein Unglück von tragischer Qualität. Es wird an einem Frühlingsabend von einem ganz anderen Verkehrsmittel verursacht: einer Straßenbahn. Neun Menschen sterben und 23 werden verletzt: Die meisten der Fahrgäste, die am Mittwoch, 18. Mai, gegen 19 Uhr in die an der Endstation Fürstenstraße im Druseltal wartende Straßenbahn einsteigen, waren zuvor in Wilhelmshöhe spazieren gewesen und sind auf dem Weg nach Hause. Plötzlich löst sich unbemerkt die Handbremse. Führer- und schaffnerlos rast die Bahn ins Tal. Nach wenigen hundert Metern springt sie aus den Schienen, fällt auf die Seite.

Zuerst verdächtigt man einen kleinen Jungen unter den Passagieren, die Bremsen gelöst zu haben. Dann stellen die Richter ein technisches Versagen fest.

Zunehmend wird Kritik - vor allem am Diktat des Automobils - laut. Naturschützer erheben beispielsweise Einspruch gegen einen geplanten Damm mit Autostraßen-Überführung über die Wilhelmshöher Allee im Zuge der Baumaßnahme "Automobilstraße Hamburg Basel". Sie bringen ihre Bedenken gegen die Zerstörung der barocken Anlage Wilhelmshöher Allee vor: "Es gibt kaum Stätten, wo Kunst so zwingend zur Natur und die Natur so zwingend zur Kunst spricht". Für diese Anlage sei keine Verkehrsnotwendigkeit zu erkennen. Doch das Rad ist nicht mehr zurückzudrehen. Verkehrsstraßen und Autobahnen überziehen bald das Land.


"Verkehr von amerikanischen Dimensionen"

Der Morgen ist trübe und kalt, die Straßen glänzen feucht vom nächtlichen Regen, doch von sonntäglicher Ruhe kann keine Rede sein. In der Stadt regiert heute König Automobil. Von allen Ecken kommen sie. Kaum eine Marke fehlt. Da sind die unzähligen Serienwagen, die luxuriöse Reiselimousine, der weiße Renner. "Die Wilhelmshöher Allee hinauf herrscht ein Verkehr von amerikanischen Dimensionen", schreibt die Zeitung. Arved Klippert steht am Straßenbahndepot, die Schiebermütze auf dem Kopf, in der Hand die Startflagge, und schaut auf seine Präzisionsuhr. An diesem 22. Mai, dem letzten Tag der Kasseler Grünen Maiwoche, gibt es ein Programm-Highlight: das fünfte Herkules-Bergrennen. Es beteiligen sich 110 Fahrer aus ganz Deutschland.

Am Steuer des Bugatti-Rennwagens mit der Startnummer 26 konzentriert sich Rennveteran Karl Kappler auf den Start. Schon das erste Bergringrennen 1923 ist er mitgefahren und seitdem alle vier. Ziel ist nach 12 schwierigen Kurven der 4,5 Kilometer entfernte Kilometerstein 8,7 oben am Herkules. Es geht los: "Weit voraus hallt das nervenpeitschende Gebrüll der Motoren", beschreibt ein Reporter der Kasseler Post die Szenerie. Mit seinem Bugatti wird Kappler erster in der Klasse D der Rennwagen und mit einem Simson Supra zweiter in der E-Klasse der Sportwagen. Der schnellste Fahrer ist Georg Rosenberger auf einem "1914er Grandprix-Vierzylinder" von Mercedes-Benz in einer Zeit von drei Minuten, 47,7 Sekunden.

Auf dieser Strecke im Habichtswald verdient sich später der weltberühmte Rudolf Caracciola seine Sporen. Nach einem an Siegen reichen Rennfahrer-Leben erliegt Caracciola 57jährig 1959 im Kasseler Stadtkrankenhaus einem Leberleiden. 1927 ist er noch nicht in Kassel dabei. "Es gibt keine idealere Rennbahn in der ganzen Welt als die Wilhelmshöhe - kann man sich für eine Rennstunde ein schöneres Panorama denken?", drückt seinerzeit ein Sportreporter seine Begeisterung aus. Und doch: Das fünfte Bergringrennen ist zugleich das letzte. Alle Wiederbelebungsversuche nach dem Zweiten Weltkrieg sind gescheitert.


Bärenreiter-Verlag: Von Augsburg nach Kassel

Warum der erfolgreiche Augsburger Jungunternehmer Karl Vötterle, der mit 20 Jahren, im Herbst 1923, den Bärenreiter-Verlag gegründet hatte, 1927 mit all seinem Besitz und Know-how ausgerechnet nach Kassel übersiedelte, hat eine einfache Erklärung: Es war die Liebe. Und zwar die auf den ersten Blick. Anfang des Jahres erst hatte Vötterle die junge Maria Zeiß aus Kassel kennengelernt, kurze Zeit später schon hielt er um ihre Hand an. Papa Zeiß wünschte sich das junge Paar in seiner Nachbarschaft, und die Anfrage an den Oberbürgermeister von Kassel nach einem Darlehen für das junge Unternehmen wurde postwendend telegrafisch vom OB beantwortet: "Herzlich willkommen - Hypothek in Höhe von vierzigtausend Mark für den Neubau wird besorgt." Der Verlag hatte 14 Mitarbeiter, die mit übersiedelten. Drei Güterwagen reichten nicht aus, um Inventar und Vorräte des Verlagshauses von Augsburg nach Kassel zu bringen. Was mit Liedblättern begann, ist zu einem Weltunternehmen in Sachen Musik geworden.

Geboren

Januar

  • noch kein Eintrag

Februar

  • noch kein Eintrag

März

  • noch kein Eintrag

April

  • noch kein Eintrag

Mai

  • noch kein Eintrag

Juni

  • noch kein Eintrag

Juli

  • noch kein Eintrag

August

  • noch kein Eintrag

September

  • noch kein Eintrag

Oktober

  • noch kein Eintrag

November

  • noch kein Eintrag

Dezember

  • noch kein Eintrag

Gestorben

Januar

  • noch kein Eintrag

Februar

  • noch kein Eintrag

März

  • noch kein Eintrag

April

  • noch kein Eintrag

Mai

  • noch kein Eintrag

Juni

  • noch kein Eintrag

Juli

  • noch kein Eintrag

August

  • noch kein Eintrag

September

  • noch kein Eintrag

Oktober

  • noch kein Eintrag

November

  • noch kein Eintrag

Dezember

  • noch kein Eintrag