1924

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Inhaltsverzeichnis

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Rechtstrend und neuer Flughafen

Im Jahr der politischen Trendwende war die Eröffnung des Kasseler Verkehrsflughafens das lokale Großereignis in der Stadt. Die Umstellung der Währung auf Goldbasis ("Goldmark") im November 1923 hatte zwar der Inflation ein Ende bereitet. Aber die weitere Stabilisierung der Währung und die Kreditkrise schafften neue Probleme. Oberbürgermeister Philipp Scheidemann wandte sich im Juli 1924 hilfesuchend an die preußische Regierung und bat um 150000 Goldmark zur Behebung der finanziellen Krise der Stadt. Die zahlreichen Pensionäre seien völlig verarmt, es gebe 10000 Arbeitslose und 40000 Empfänger von Wohlfahrtsunterstützung, die Stadt habe Grundbesitz verkaufen müssen. Weil Kassel damit nicht allein und nicht sonderlich schlecht dastand, gab es jedoch kein Geld aus der Staatskasse.

Weiterhin herrschte Wohnungsnot in der Stadt, aber noch drückender war das Problem der rasch steigenden Arbeitslosigkeit. Henschel hatte von November 1923 bis Februar 1924 über 1800 Arbeiter entlassen, im April wurden weitere 1500 auf die Straße geschickt. Gleichzeitig verpflichtete die preußische Personalabbauverordnung die Behörden zur Verringerung der Zahl der Beamten um 25 Prozent; auch die Zahl der Nichtbeamten sollte so stark wie möglich reduziert werden. "Bemerkenswert ist, daß nunmehr auch hochqualifizierte Handwerker zur Entlassung kommen", notierten die Kasseler Neuesten Nachrichten Anfang August.

Not und Unsicherheit der Menschen, aber auch der Unmut über die wirtschaftlichen und politischen Auswirkungen des verlorenen Krieges schlugen sich nun deutlich in den Wahlergebnissen nieder. Den Kommunalwahlkampf hatten alle bürgerlichen Parteien gegen das "rote Rathaus" und das "System Scheidemann" geführt. In einem Aufruf zu einer Wahlveranstaltung des Völkisch-Sozialen Blocks – die NSDAP war noch verboten – war das Motto "Sprenget die Ketten" in Zeitungsanzeigen mit Hakenkreuzen illustriert.

In Kassel überstand die bisherige SPD-Mehrheit den Rechtstrend bei der zusammengelegten Kommunal- sowie Reichstagswahl am 4. Mai nicht. Die Deutschnationale Partei konnte ihre Stimmenzahl im Vergleich zur Wahl der Stadtverordnetenversammlung 1919 mehr als verdoppeln, die Deutsche Volkspartei, die 1919 gerade 1800 Stimmen bekommen hatte, wurde diesmal von 15000 Menschen gewählt. Mit der KPD und dem Völkisch-Sozialen Block zogen nun erstmals extreme Parteien ins Stadtparlament ein. Zwar gingen die Stimmanteile der Kommunisten und Rechtsradikalen bei den erneuten Wahlen zum Reichstag am 7. Dezember – gleichzeitig wurde der Preußische Landtag gewählt – wieder zurück, aber der Weg in instabile politische Verhältnisse und schließlich ins Dritte Reich war geebnet.

Großflugtag

Schon mittags hatten sich am 24. August, einem regnerischen Sonntag, viele tausend Kasseler Bürger auf den Weg nach Waldau begeben. Trotz aufgeweichter Fußwege, drohender Regenschauer und langer Wartezeiten pilgerten die Menschen zum Fluggelände im Osten der Stadt, um den "Großflugtag" mitzuerleben. "Ganz Kassel war auf den Beinen und in Waldau!", berichtete die Kasseler Post über das Großereignis des Jahres 1924: Die Eröffnung des neuen Flughafens der Stadt.

Vormittags war "in Gegenwart einer erlesenen Gemeinde" die offizielle Einweihung vorgenommen und der Flughafen als Markstein in der Entwicklung des Flugwesens für Mitteldeutschland und Kassel gewürdigt worden. Danach folgte der unterhaltsame Teil des Einweihungsfestes mit waghalsigen Flugvorführungen der Piloten Richard Dietrich, Antonius Raab und Kurt Katzenstein.

"Es war ein herrlicher Anblick, die drei Apparate unter dem blauen Himmel ruhig ihre Bahn ziehen zu sehen. Kühnste Kunststückchen riefen nach atemloser Spannung die Begeisterung des Publikums hervor. Passagierflüge schlossen sich an", beschreibt der Berichterstatter der Kasseler Post das Geschehen.

Im Jahr zuvor hatte sich in Bettenhausen die Dietrich-Gobiet Flugzeugwerk Aktiengesellschaft etabliert, die zur Triebfeder für die Errichtung des Flughafens wurde. Nach dem Ersten Weltkrieg hatten sich ehemalige Kriegspiloten und andere Flugbegeisterte um die Unternehmerbrüder Anatole und Egon Gobiet geschart und die Fliegerei auf dem einstigen Truppenübungs- und Exerzierplatz in Waldau wieder aufgenommen. Im März 1924 kam es zur Fusion der beiden tragenden Luftsportvereine in der Stadt. Die Sektion Kassel des Kurhessischen Vereins für Luftfahrt ging im Mitteldeutschen Flugverband auf, und die Sportflieger setzten sich das Ziel, an der Errichtung eines großen Flughafens in der als Verkehrs-Knotenpunkt wichtigen Stadt Kassel mitzuwirken.

Nachdem die Stadt das Waldauer Gelände von den Militärbehörden erworben hatte, wurde die Idee eines Verkehrsflughafens in die Tat umgesetzt. Damals rechnete man sich durchaus wirtschaftliche Chancen für das Projekt aus. "Das war überhaupt der treffliche Eindruck der ganzen Veranstaltung, daß man es nicht allein mit sportlicher Leistungsfähigkeit, sondern mit praktisch erfolgreichen, im Dienste des Handels und der Industrie arbeitenden, modernen Verkehrsmöglichkeiten zu tun hatte", kommentierte die Kasseler Post.

Der neue Flughafen, der ab 1926 auch regelmäßig von Linienmaschinen der Lufthansa angeflogen wurde, hatte allerdings keine große Zukunft. Bereits ab April 1930 gab es den städtischen Flughafen nicht mehr, weil die Stadt die Zuschüsse an die Lufthansa und die Kosten für Unterhaltung und Verwaltung des Flughafens nicht mehr aufbringen konnte. Der Platz ging in den Besitz des Niederhessischen Vereins für Luftfahrt über. Dennoch blieb der Flughafen für große Events erhalten. So landete im September 1930 erstmals ein Zeppelin in Kassel und zog 100.000 Zuschauer an(Kasseler Post vom 4.9.1930). Zwar war die Zentrallage von Kassel an sich für den Flugverkehr innerhalb von Deutschland nicht günstig, da die mittleren Entfernungen zu kurz waren. Aber bevor die Autobahnen gebaut wurden und bevor schnelle Verbindungen mit der Bahn geschaffen werden konnten, war der Flugverkehr ein attraktives Angebot.

Anfang der 60er Jahre wurde klar, daß das Fluggelände im Osten der Stadt aufgegeben werden mußte. Es gab keine Erweiterungsmöglichkeit und Wohngebiete mußten überflogen werden. Als die Stadt im Juli 1970 den neuen Flugplatz bei Calden eröffnete, wurde das Waldauer Fluggelände in ein Industriegebiet verwandelt.


Kasseler Rundfunk: Erste Sendung

Das häufigste Geschenk zur Weihnacht des Jahres 1924 war der "Detektor", ein Rundfunkempfänger. Am 21. Dezember hatte der erste Kasseler Rundfunksender im Gebäude der Oberpostdirektion an der Hohenzollernstraße – der heutigen Friedrich-Ebert-Straße – seinen Betrieb aufgenommen und seine erste offizielle Sendung ausgestrahlt. Auf dem Bild liest Schriftsteller und Pfarrer Hans Dittmer vor dem Kästchen-Mikrophon im Aufnahmeraum des Kasseler Rundfunks aus seinen Werken. Auf Welle 286 sendete der Kasseler Rundfunk ein tägliches Programm.


Kasseler Familienforscher gründen die Gesellschaft für Familienkunde

Der Architekt Fritz Stück aus Kassel-Niederzwehren warb für die Familiengeschichtsforschung in und um Kassel. Am 3. November 1924 berief er im Coburger Hofbräu eine Versammlung der "Freunde der Familiengeschichtsforschung in Kassel und Umgebung zu einer gemeinsamen Beratung zwecks engeren Zusammenschlusses" ein. Die Gesellschaft für Familienkunde in Kurhessen und Waldeck e.V. (GFKW) wurde gegründet, die auch heute noch als gemeinnütziger Verein tätig ist und regelmäßige Vortragsveranstaltungen in Kassel anbietet.

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