1923

Aus Regiowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
| 19. Jahrhundert | 20. Jahrhundert | 21. Jahrhundert | ► Portal: Geschichte

◄◄ | | 1919 | 1920 | 1921 | 1922 | 1923 | 1924 | 1925 | 1926 | 1927 | | ►►


Ereignisse

Januar

  • noch kein Eintrag

Februar

  • noch kein Eintrag

März

  • noch kein Eintrag

April

  • noch kein Eintrag

Mai

Juni

Juli

  • noch kein Eintrag

August

  • noch kein Eintrag

September

  • noch kein Eintrag

Oktober

  • noch kein Eintrag

November

  • Auf dem Höhepunkt der Inflation kostete im November in Kassel ein Brot 192 Milliarden Mark.

Dezember

  • noch kein Eintrag

Sonstige

Abkühlung im neuen Schwimmbad an der Fulda

Das Inflationsjahr 1923 brachte für Kassel nicht allzu viele freudige Ereignisse. Ein Höhepunkt war die Eröffnung des städtischen Fuldabades am 19. Mai. Es solle dazu beitragen, einen gesunden Körper zu schaffen, in dem ein gesunder Geist wohnen könne, so Oberbürgermeister Philipp Scheidemann in seiner Festrede. Zum Auftakt am Pfingstsamstag regnete es zwar, im Verlauf des Sommers entwickelte sich das Bad aber zu einem Besuchermagneten. Den Grundstock zur Finanzierung hatte der Geheimrat Henschel mit einer Stiftung gelegt, für die farbliche Gestaltung des Hauptgebäudes war der heute als documenta-Gründer bekannte Arnold Bode verantwortlich. Die Inflation trieb auch die Kosten für das Fuldabad in schwindelnde Höhen, dennoch war es über viele Jahre eine Attraktion. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand hier das Schwimmstadion am Auedamm, das Auebad, das 1955 eingeweiht wurde.

Wertloses Geld mit reichlich Nullen

Die Inflation machte aus den Menschen erst Millionäre und später Milliardäre. Die Preise stiegen ins Uferlose. Henschel und andere brachten Notgeld heraus.

Im November 1923 kostete in Kassel ein Brot 192 Milliarden Mark. Dieser Preis sei nach eingehender Prüfung und langen Verhandlungen mit dem Bäckergewerbe festgelegt worden, so die Mitteilung des städtischen Nachrichtenamtes im Casseler Tageblatt. Diese Meldung markiert den Höhepunkt der Inflation. Schon zu Jahresbeginn stiegen die Preise sprunghaft. Im Januar kostete ein Roggenbrot noch 136 Mark, im Juni waren es schon 555 Mark, danach gab es kein Halten mehr. Ein am 4. Dezember 1923 abgestempelter Brief von Kassel nach Eschwege war mit Briefmarken im "Wert" von 100 Milliarden Mark frankiert.

Die Wirtschaftskrise nach dem Ersten Weltkrieg und die längst außer Kontrolle geratene Inflation hatten alle Bereiche des täglichen Lebens erfaßt. Waschkörbeweise wurden die Scheine transportiert, die Kreditinstitute kamen mit dem Zählen kaum noch nach. Das macht eine Anzeige der Reichsbankstellen und Sparkassen in den "Kasseler Neueste Nachrichten" deutlich: "Die dauernde Arbeitsüberlastung und völlige Erschöpfung der Angestellten und die dadurch in unseren Betrieben eingetretenen Schwierigkeiten zwingen uns, vorläufig am Sonnabend jeder Woche unsere Schalter für jeden Verkehr geschlossen zu halten." Die Entwicklung wurde immer dramatischer. Am 20. August 1923 brachte die Stadt Kassel erstmals eigene Geldscheine heraus. Sie trugen die Unterschriften von Oberbürgermeister Philipp Scheidemann und Bürgermeister Karl Brunner. Andere Institutionen wie die Handwerkskammer oder die Firma Henschel und Sohn ließen ebenfalls "Notgeld" drucken.

Den Kasseler Alltag während der Inflation beschreibt ein Zeitungsartikel aus dem Jahr 1938. Die zehnjährige Marie hatte in einer Truhe auf dem Dachboden jede Menge Geld gefunden, lauter 100000-Mark-Scheine. Die Freude währte nur kurz. "Liebes Kind, das sind wertlose Papierschnipsel, Inflationsblüten", so die Erklärung der Mutter, die sich 15 Jahre zurückversetzt: "Mein Kind, das war eine schreckliche Zeit. Da wurde das Geld von Tag zu Tag wertloser, und wenn du am Morgen noch glaubtest, viel Geld zu haben, am Abend war es schon zu einem Nichts zusammengeschrumpft. Am schlimmsten war der Währungsverfall im Jahre 1923. Bald jeden zweiten Tag brachte dein Vater eine Nachzahlung auf sein Gehalt nach Hause. Ganze Bündel von Banknoten, für die man am anderen Morgen kaum noch etwas kaufen konnte. Was so die einfachsten Einkäufe waren, da mußte man erst mit Millionen, dann mit Milliarden und schließlich mit Billionen rechnen."

Der Artikel ist gleich in zweifacher Hinsicht ein zeitgeschichtliches Dokument. Den Erinnerungen an die Inflationszeit folgt - ganz im Sinne der Nazipropaganda - üble antijüdische Hetze und ein Loblied auf den Führer.


Geboren

Januar

  • noch kein Eintrag

Februar

  • noch kein Eintrag

März

  • noch kein Eintrag

April

  • noch kein Eintrag

Mai

  • noch kein Eintrag

Juni

  • noch kein Eintrag

Juli

  • noch kein Eintrag

August

  • noch kein Eintrag

September

  • noch kein Eintrag

Oktober

  • noch kein Eintrag

November

  • noch kein Eintrag

Dezember

  • noch kein Eintrag

Gestorben

Januar

  • noch kein Eintrag

Februar

  • noch kein Eintrag

März

  • noch kein Eintrag

April

  • noch kein Eintrag

Mai

  • noch kein Eintrag

Juni

  • noch kein Eintrag

Juli

  • noch kein Eintrag

August

  • noch kein Eintrag

September

  • noch kein Eintrag

Oktober

  • noch kein Eintrag

November

  • noch kein Eintrag

Dezember

  • noch kein Eintrag