1922

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Blausäure-Attentat auf Scheidemann

Am 4. Juni, dem ersten Pfingstfeiertag, wird Philipp Scheidemann Opfer eines Blausäure-Attentats. Der sozialdemokratische Oberbürgermeister überlebt den Mordanschlag, die Täter werden gefaßt und verurteilt.

Pfingstsonntag im Bergpark Wilhelmshöhe: Kassels Oberbürgermeister Philipp Scheidemann geht am Nachmittag mit Tochter und Enkelin spazieren. Es nähern sich ihnen zwei Männer, einer davon geht plötzlich direkt auf Scheidemann zu und spritzt ihm aus einer Gummispritze Blausäure ins Gesicht. Der SPD-Politiker zieht eine Pistole und feuert zweimal den flüchtenden Attentätern hinterher. Dann fällt er in Ohnmacht. Der Täter und sein Komplize entkommen. Die Polizei findet die Spritze später im Gebüsch.

Scheidemann überlebt das Attentat aus zwei Gründen, wie die Gerichtsmediziner bei der späteren Verhandlung feststellen: Das tödliche Gift drang nicht in Nase und Mund, außerdem hatte die Blausäure durch die lange Lagerung in einem Gummiballon nicht mehr die volle Wirkung entfaltet.

Erstaunlich schnell erholt sich Scheidemann von dem Mordanschlag. Am 7. Juni, nur drei Tage nach dem Attentat, spricht er gemeinsam mit dem Genossen Richard Hauschildt bei einer Großdemonstration auf dem Friedrichsplatz. Der Überfall auf Scheidemann löst heftige Reaktionen in der Öffentlichkeit aus, wird zum Thema im Stadtparlament. Stadtverordnetenvorsteher Albert Grzesinski (SPD) äußert seine Abscheu über die Tat und erinnert an die Hakenkreuzschmierereien an Scheidemanns Haus am Wilhelmshöher Platz, dem heutigen Brüder-Grimm-Platz, und an heruntergerissene Reichsflaggen.

Anonyme Drohbriefe

Das den Sozialdemokraten nahestehende Volksblatt vermutet die Attentäter in rechtsradikalen Kreisen. Nach dem Mord an dem Zentrumspolitiker Matthias Erzberger am 26. August 1921 hatte Sozialdemokrat Scheidemann anonyme Drohbriefe erhalten mit der Warnung, er stehe als nächster auf der Todesliste. Der prominente SPD-Politiker, den Reichspräsident Friedrich Ebert 1919 zum Ministerpräsidenten ernannt hatte, war schon Monate vor dem Attentat Zielscheibe der Kritik rechter politischer Parteien und der ihnen nahestehenden Presse in Kassel gewesen.

Drei Wochen nach dem Überfall auf das Kasseler Stadtoberhaupt wird Reichsaußenminister Walter Rathenau ermordet. Der Politiker gehörte der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) an, die gemeinsam mit SPD und Zentrum die Weimarer Koalition gebildet hatten.

Der Rathenau-Mord löst große Demonstrationen in der Republik aus, an der sich auch DDP und Zentrum beteiligen. Veranstaltungen rechter Gruppierungen in Kassel, darunter das Sommerfest der Deutschnationalen, werden verboten.

Anfang August werden die Scheidemann-Attentäter in Schlesien festgenommen. Es handelt sich um den Kaufmann Hans Hustert und den Landwirt Karl Oehlschläger. Sie legen ein Geständnis ab und werden ins Gefängnis in Wehlheiden gebracht. Am 4. Dezember 1922 wird den beiden vor dem Staatsgerichtshof in Leipzig der Prozeß gemacht. Beide Angeklagte behaupten, sie hätten auf eigene Verantwortung gehandelt. Es stellt sich aber heraus, daß die aus Elberfeld bei Wuppertal stammenden Männer rechtsradikalen Organisationen angehören: Hustert ist Mitglied in der Organisation Consul und im Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbund, Oehlschäger in der Brigade Ehrhardt und der Eisernen Division.

Sie kamen im April nach Kassel, mieteten sich dort ein Zimmer, gingen keiner Beschäftigung nach, hatten aber dennoch viel Geld bei sich. Woher sie dieses hatten, läßt sich vor Gericht nicht klären. Es gibt aber Hinweise darauf, daß sie das Geld von der "Mordorganisation" Consul erhielten. Der Führer der Elberfeld Organisation Consul hatte die beiden öfters besucht. Von April bis Juni spionierten Hustert und Oehlschläger die Lebensgewohnheiten Scheidemanns aus. Hustert gibt in der Verhandlung zu, daß sie stundenlang auf einer Bank am Wilhelmshöher Platz gesessen und das Haus des Politikers beobachtet hätten.

Die beiden Angeklagten werden verurteilt: Hustert erhält 10 Jahre Zuchthaus, Oehlschläger 10 Jahre und einen Monat.

Das "Volksblatt" berichtet seinen Lesern über die Reaktionen der bürgerlichen Zeitungen Kassels auf das Urteil. "Kasseler Allgemeine Zeitung" und "Kasseler Neueste Nachrichten" hätten die Hintermänner der Attentäter nicht erwähnt, die "Hessische Post" die Angeklagten milde beurteilt. Nur das "Casseler Tageblatt" habe die Tat verurteilt und auch die Drahtzieher des Anschlags genannt.

Der Schriftsteller Kurt Tucholsky schrieb unter dem Pseudonym Theobald Tiger über das Attentat auf Scheidemann ein Gedicht, in dem er dem Sozialdemokraten seine Solidarität bekundet. In der ersten Strophe heißt es:

"Wir haben dich hier öfters angepfiffen von wegen deiner leicht verdorrten Hand

Doch nun ein feiger Lump dich angegriffen hat sich das Blättchen jäh für dich gewandt.

Wenn Einer Gift spritzt aus dem Schießklistier: dann, Philipp, stehn wir Alle hinter dir!"


Ausstellung: Werke von Feininger und Bode in Orangerie

In einer Phase wirtschaftlicher Not mit hoher Inflation war die Kunstausstellung im Orangerieschloß ein Ereignis, das die Kasseler von den Alltagsproblemen ablenkte. Carl Bantzer, Direktor der Kunstakademie, eröffnete die Ausstellung am 3. Juni.

Die Akademie und der Kunstverein unter Galeriedirektor Georg Gronau hatten es geschafft, die Werke namhafter Künstler nach Kassel zu holen, darunter George Grosz aus Berlin und Lionel Feininger aus Weimar. Unter den Künstlern der Fuldastadt, die ausstellten, war auch Arnold Bode, der 1955 die documenta, die größte Weltausstellung zeitgenössischer Kunst, mit begründet hatte. Die Finanzierung der Ausstellung in der Orangerie war zu der Zeit ein großes Problem. Es gelang den Initiatoren um Bantzer und Gronau aber bei einer Versammlung im Dezember 1921, Sponsoren zu finden, die Geld für einen Garantiefonds zeichneten.


Im Residenztheater fällt für immer der Vorhang

Am 18. März 1902 öffnete das Residenz-Theater im Haus Ständeplatz Nr. 2 seine Pforten. Die Aufführungen waren im sogenannten Hanusch-Saal, benannt nach dem Hofkleidermacher Anton Hanusch, der in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts das Haus erbaut hatte. Nach einem Umbau leitete 1904 Carl Gemünd das Residenz-Theater, 1910 übernahm Willi Nordau die Direktion und brachte Stücke nach Kassel wie "Wenn der junge Wein blüht", "Taifun", "Weiße Rosen" oder "Der Arzt am Scheideweg."

"Leichte Kost"

Nordau holte bekannte Künstler ins Theater, beispielsweise Frank Wedekind und seine Frau. Im Ersten Weltkrieg dominierte "leichte Kost" den Spielplan. Als 1922 die "Kammerspiele Jena" unter Bodo Bronsky anspruchsvollere Stücke spielten, gingen im Residenz-Theater für immer die Lichter aus.


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