1920

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Ereignisse

Januar

  • 17. Januar: Philipp Scheidemann wird in das Amt des Oberbürgermeisters der Stadt Kassel eingeführt. In seiner Antrittsrede sagt er: "Ich bin entschlossen, mich mit meinen Kräften der Arbeit in meiner Vaterstadt zu widmen, die ich liebe, deren Schönheit ich geschildert und deren Ruhm ich verkündet habe, wo immer ich Gelegenheit dazu hatte."

Februar

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März

  • 16. März: Über 10 000 Männer und Frauen folgen einem Aufruf der Parteien zu einer Kundgebung auf dem Friedrichsplatz in Kassel, um gegen den rechtsgerichteten Kapp-Putsch in Berlin zu protestieren.

April

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Sonstige

  • In Kassel wird die Arbeiterwohlfahrt (AWO) gegründet. Schon kurze Zeit nach der Gründung der Arbeiterwohlfahrt durch Marie Juchacz im Jahre 1919 wurde auch in Kassel die AWO ins Leben gerufen.

Der berühmteste Oberbürgermeister der Fuldastadt

Im Januar wurde er in das Amt des Kasseler Oberbürgermeisters eingeführt. Es war keine leichte Aufgabe für Philipp Scheidemann in diesen unruhigen Zeiten: Im März bedrohte der Kapp-Putsch die Republik.

Er hatte längst in der großen Politik mitgemischt, als er zum Oberbürgermeister seiner Heimatstadt gewählt wurde. Philipp Scheidemann war 1918 Staatssekretär unter Reichskanzler Max von Baden geworden, stand neben Friedrich Ebert an der Spitze der Revolution und wurde erster Ministerpräsident der neuen Reichsversammlung. Scheidemann kehrte Berlin den Rücken, als sich die Mehrheit der Nationalversammlung für die Unterzeichnung des Versailler Friedensvertrages einsetzte. Scheidemann war immer ein Gegner des Vertrages gewesen.

In seiner Heimatstadt war seine Wahl zum Oberbürgermeister allerdings nicht unumstritten. Noch eine Woche vor der Wahl durch die Stadtverordneten (19. Dezember 1919) hatten sich rund 3000 Bürger in der Stadthalle bei einer Großkundgebung versammelt, um gegen Scheidemann zu protestieren. Dort hieß es: "Der Bürgerbund und der Große Bürgerverein...erheben in ihrer heutigen...Versammlung einmütig ihre Stimme gegen die Wahl Scheidemanns... Sie halten es für unmöglich, daß ein auf kommunalem Gebiet unerfahrener und nicht in der Verwaltungsarbeit groß gewordener Mann einer so schweren Aufgabe gewachsen ist..."

Trotz dieser Proteste wurde Scheidemann mit den Stimmen der Sozialdemokraten und des Zentrums zum OB gewählt. Als er am 17. Januar 1920 schließlich in das Amt eingeführt wurde, versprach er: "Ich bin entschlossen, mich mit meinen Kräften der Arbeit in meiner Vaterstadt zu widmen, die ich liebe, deren Schönheit ich geschildert und deren Ruhm ich verkündet habe, wo immer ich Gelegenheit dazu hatte."

Es war keine leichte Aufgabe, die Scheidemann bewältigen mußte: Kurz nach seinem Amtsantritt wurde auch Kassel, wie der Rest der Republik, von dem Kapp-Putsch (siehe "Daten der Geschichte") bedroht.

Am 13. März wurde in Kassel bekannt, daß in Berlin Putschisten ihr Unwesen trieben. Es war ein Glück, daß sich die Reichswehrbrigade 11 in Kassel sofort und rückhaltlos zur bisherigen demokratischen Regierung bekannte, am 15. März setzte ein Generalstreik ein. Am Dienstag, 16. März, folgten über 10 000 Männer und Frauen einem Aufruf der Parteien zu einer Kundgebung auf dem Friedrichsplatz, um gegen das landesverräterische Treiben in Berlin zu protestieren. Gleichzeitig begannen gefährliche Unruhen in der Stadt, die in den nächsten Tagen ganz im Zeichen von Maschinengewehren und Panzerwagen standen. Mindestens 17 Tote, 43 Schwer- und 21 Leichtverletzte hatte die Stadt am 18. März zu beklagen, nachdem es zwischen Jugendlichen und Reichswehrsoldaten zu einem Schußwechsel auf dem Friedrichsplatz gekommen war.

Gefahr von "links"

Einen Tag später schienen die Unruhen in Kassel vorbei, die Republik gerettet. Das Kasseler Gewerkschaftskartell und die SPD gaben noch am selben Tag ein Flugblatt heraus: "Arbeiter! Genossen! Laßt Euch nicht durch junge Schreihälse...um Euren klaren Kopf bringen. Der Feind von rechts ist niedergeschlagen, der Feind von links erhebt sein Haupt...".

Wesentlich erfreulicher war das Ereignis im Oktober 1920: Da veranstaltete die SPD auf Reichsebene ihren ersten Parteitag in der Kasseler Stadthalle. Die Eröffnungsrede hielt der Parteivorsitzende Otto Wels, der im März 1933 durch seine mutige Rede gegen Hitlers Ermächtigungsgesetz wahre Berühmtheit erlangen sollte.

Milch, Fett und Zucker für die jüngsten Kasseler

Die Sozialpolitik wurde nach dem Ersten Weltkrieg eine der wichtigsten Aufgaben der deutschen Gemeinden. So wurden auch die Rentner, Hinterbliebenen und Arbeitslosen in Kassel unterstützt. Private Organisationen und die Stadt richteten in den Winterhalbjahren Suppenküchen für Bedürftige ein.

Besondere Hilfe gab es für Kasseler Jungen und Mädchen ab dem Sommer 1920: Am 21. Juni startete die Quäkerspeisung in der Stadt. Die amerikanischen Quäker, eine religiöse Gemeinschaft, hatten es sich nach dem Weltkrieg zur Aufgabe gemacht, unterernährte deutsche Kinder mit Nahrung aufzupäppeln. So wurden für die jüngsten Kasseler Milch, Fett und Zucker zur Verfügung gestellt.

Nach einem Jahr stillten bereits 13 225 der rund 24 000 Kasseler Schulkinder ihre hungrigen Mäuler durch die Speisung, die erst im September 1922 eingestellt wurde.

Eine weitere soziale Errungenschaft war im November 1920 der Kauf des alten Roten-Kreuz-Gebäudes im Königstor durch die Stadt. Hier sollte das erste Entbindungsheim Kassels entstehen. Geheimrat Carl Henschel unterstützte den rund 1,4 Millionen Reichsmark (RM) teuren Bau mit einer Spende von 870 000 RM. Das Entbindungsheim wurde im Mai 1922 eröffnet.(use)

Auch die Arbeiterwohlfahrt wird zu dieser Zeit gegründet. Schon kurze Zeit nach der Gründung der Arbeiterwohlfahrt in Berlin fühlten sich auch hier in Kassel Frauen zum Handeln aufgefordert. Vor Ort wird klar, dass die Arbeiterwohlfahrt zu einer Organisation sozialdemokratischer Frauen wird. Namen der ersten Stunde sind unter anderem Minna Bernst und Amalie Wündisch, beide gleichzeitig die ersten weiblichen Stadtverordneten der Kasseler SPD, sowie Martha Bottke, Wilhelmine Hoffarth, Elise Müller, Käthe Richter und Anna Zinke insgesamt 35 Frauen und fünf Männer.

Die ehrenamtliche Arbeit der Kasseler Arbeiterwohlfahrt beginnt Anfang 1920 mit einer Wärmehalle und einer Volksküche in der Kettengasse an der Fuldabrücke. Später kommt eine Nähstube hinzu, die Hemden für arbeitslose Männer herstellt, ein Lehrlingsheim, eine Sozialberatungsstelle und eine Heimstatt für Alte. Im Karlshospital werden von dem Fürsorger Brüning Prostituierte, Obdachlose und Trinker betreut. Gerade dies war eine Arbeit, mit der sich die kirchlichen Wohlfahrtsorganisationen schwer taten und wo sie froh waren, dass die Arbeiterwohlfahrt von Anfang an auch Menschen von der Straße aufgelesen hat.

Kasseler rief Weimarer Republik aus

Friedrich Wilhelm I., Kurfürst von Hessen, saß noch in Kassel auf dem Thron, als am 26. Juli 1865 Philipp Scheidemann in der Kasseler Michelsgasse Nr. 7 das Licht der Welt erblickte. Der kleine Philipp war der erste Sohn des Tapeziermeisters Friedrich Scheidemann und seiner Frau Wilhelmine.

Nach dem Schulbesuch machte Philipp eine Lehre als Schriftsetzer und trat 1883 in die damals verbotene SPD ein. 1885 kehrte Scheidemann seiner Vaterstadt den Rücken, um bei verschiedenen Tageszeitungen als Redakteur zu arbeiten. 1905 kam er nach Kassel zurück, um Chefredakteur des Volksblattes zu werden. Gleichzeitig kletterte er die Karriereleiter in der SPD hinauf: Scheidemann saß seit 1903 im Reichstag, war unter anderem Fraktions- und Parteivorsitzender. Richtig bekannt wurde er, als er am 19.11.1918 die Weimarer Republik ausrief.

Er heiratete 1889 Johanna Dibbern (1864 - 1926). Aus dieser Ehe stammten die Töchter Lina, Luise und Hedwig. Scheidemann starb nach einem Schlaganfall am 29. November 1939 im Kopenhagener Exil.

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