1919

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Frauen Cassels, Ihr müßt wählen!

Elf Jahre nach der Aufhebung des Verbotes, sich in Parteien zu organisieren, durften die Frauen endlich auch wählen

Endlich ist es erreicht! Deutschlands Frauen dürfen wählen! Jahrzehntelang hatte der Kampf um das Stimmrecht gedauert. Erst 1891 konnten sich Clara Zetkin und August Bebel in der SPD durchsetzen und 1902 gründete sich in Berlin der erste deutsche Stimmrechtsverein um die radikalen Frauenrechtlerinen Lida Gustava Heymann und Anita Augspurg. Doch dann kam der Krieg, und danach lehnten sogar Verbände wie der Deutsch-Evangelische Frauenbund das Frauenwahlrecht noch ab. Erst die Revolution im November 1918 erfüllte die alte Forderung der Frauenbewegung und auch die Gegnerinnen übernahmen politische Mandate.

Kein Wunder, daß den Frauen angesichts der ersten allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlen 1919 die besondere Aufmerksamkeit der Parteien zuteil wird. Diese überschlagen sich geradezu mit Werbung um die neuen Wählerinnen, pflastern ganze Zeitungsseiten mit Aufrufen zu Aufklärungsveranstaltungen, die gipfeln in Worten wie "Deutsche Frau! Dein Volk braucht Dich in höchster Not!" - Um dann klar zu machen, daß - in diesem Fall - vor allem die Deutschnationale Volkspartei gerne die Stimmen der Frauen hätte.

Auch in Kassel ist Wahlkampf angesagt in diesem Winter, denn die Bürger und Bürgerinnen müssen gleich dreimal zur Urne schreiten: Am 19. Januar wird die Nationalversammlung, am 26. Januar der Preußische Landtag und am 2. März die Kasseler Stadtverordnetenversammlung gewählt. "Frauen Cassels, Ihr müßt wählen!" lautet daher die Parole der Frauenvereine.

Sechs Frauen ziehen ein ins Kasseler Parlament, in dem mit einem Wahlergebnis von 51,4 Prozent die SPD die Mehrheit hat. Auf ihrer Liste mit 72 Plätzen sind allerdings nur drei Frauen, von denen zwei künftig in der Stadtverordnetenversammlung sitzen sollen: Minna Bernst und Amalie Wündisch. Die Bürgerlichen dagegen entsenden vier Frauen: Elisabeth Consbruch (Deutschnationale Volkspartei), sowie Elisabeth Ganslandt, Johanna Waescher und Julie von Kästner (Deutsche Demokratische Partei).

Fern von heutigen Quotendiskussionen fanden die Männer damals zwar viele freundliche Worte für das Wählerinnen-Potential, bei der Aufstellung der Listen fiel Verzicht dagegen schwer. Schließlich ist es auch für die SPD die erste Wahl mit guten Chancen, denn beim Dreiklassenwahlrecht vor dem Krieg war sie mit drei von 48 Sitzen fast ausgeschlossen von der Kommunalpolitik.

Daß nicht die Sozialdemokratie bei den Frauen an der Spitze der Bewegung stand, sondern die Bürgerlichen, führen Gilla Dölle, Leonie Wagner und Cornelia Hamm-Mühl in ihrem Buch "Damenwahlen" (Schriftenreihe des Archivs der deutschen Frauenbewegung, Band 8) auf die Lebensgeschichten der Frauen zurück. Die bürgerlichen Frauen, oft alleinstehend, waren schon über Jahre in der bürgerlichen Frauenbewegung engagiert und hatten zum Teil reichlich politische Erfahrung. Die aus dem Arbeitermilieu stammenden SPD-Frauen dagegen waren nicht nur jünger, sondern hatten auch Familien, deren Überleben zu sichern im Vordergrund stand.

Gleichwohl waren sie in der Sozialdemokratie tief verwurzelt: So die Weißnäherin Minna Bernst aus Grebenstein, Mutter von sieben Kindern, die gemeinsam mit ihrem Bruder, dem späteren Reichstagsabgeordneten Cornelius Gellert, ins Stadtparlament kam; und die Wäscherin Amalie Wündisch, Mutter von fünf Kindern, darunter dem späteren Kasseler Bürgermeister Georg Wündisch. Sie engagierten sich trotz erheblicher Familienarbeit in der Jugendarbeit oder in sozialen Organisationen, gehörten beide 1920 auch zu den Gründerinnen der AWO in Kassel. Die Kommunisten hatten bei dieser Wahl noch gar keine Frau zu bieten, erst 1924 sollte für sie die streitbare Mila Lüpnitz ins Parlament einziehen.

Die DDP stellte gleich drei Stadtverordnete, wobei Johanna Waescher und Julie von Kaestner zu den prominenten Kasselerinnen zählten. Waescher war seit 1865 im Casseler Frauenbildungsverein engagiert und hatte sich der soziale Absicherung weiblicher Angestellter verschrieben. Den Kasseler Hausfrauenverband, der sich 1919 vom Image des Wohltätigskeitsvereins verabschieden und als Berufsorganisation verstanden werden wollte, hatte Waescher 1902 mitgegründet.

Julie von Kaestner war eine glühende Verfechterin der Frauenbildung und des Frauenstudiums und legte den Grundstein für den Aufbau der Höheren Mädchenschule, der heutigen Heinrich-Schütz-Schule. Die dritte DDP-Frau war Elisabeth Ganslandt, aktiv im Vaterländischer Frauenverein und vor allem im Gesundheitswesen engagiert.

Prominent über die Grenzen der Stadt hinaus war die Deutschnationale Elisabeth Consbruch, die - erfolglos - schon für die Nationalversammlung kandidiert hatte. Kaum eine caritative Vereinigung, in der diese Frau sich nicht aktiv engagierte. Ihr größtes Engagement galt dem Deutsch-Evangelischen Frauenbund, der das Kinderkrankenhaus Park Schönfeld gründete. Allen ist gemein, daß sie eigentlich mehr über ihr sozial- und frauenpolitisches Engagement in Erscheinung traten denn als Stadtverordnete. Dort betreuten sie vor allem sozial- und bildungspolitische Themen, nur Amalie Wündisch stach auch als Haushalts- und Finanzpolitikerin hervor.

Freiwillige Stadtwehr zum Schutze der Bürgerschaft

"Die Kasseler Stadtwehr zog gestern zum ersten Male auf, pünktlich 6 Uhr, und jeder geruhige Bürger konnte seelenruhig in die Federn gehen. Von diesem Genuß machten allerdings viele keinen Gebrauch, denn die Polizeistunde war ebenso wie in der Silvesternacht, bis 1 Uhr ausgedehnt." So berichtete die Hessische Post am 2. Januar 1919 über die neugebildete Stadtwehr, in der sich Freiwillige zum Schutze der Bürgerschaft versammelt hatten in diesen unruhigen Nachkriegszeiten. Lange gab es die Stadtwehr jedoch nicht, da die alliierten Siegermächte meinten, daß solche bewaffneten Selbstschutz-Organisationen den Versailler Friedensbedingungen widersprachen. Ende 1920 wurde die Stadtwehr, zu der zeitweise 6500 Männer zählten, wieder aufgelöst.

Unruhen nach Eierstreit

Vier Tote, 68 Verletzte und Schäden in Millionenhöhe: Das war die Bilanz der Plünderung zahlreicher Geschäfte in der Innenstadt im Juni, bei denen die Stadtwehr erstmals Waffen einsetzte. Der spontane Zorn der Massen hatte sich entladen, nachdem ein Eierhändler in der Obersten Gasse sich auch nach stundenlangen Verhandlungen mit Polizisten geweigert hatte, die Eier zum Richtpreis von 65 Pfennig pro Stück zu verkaufen. Nicht nur sein Laden wurde demoliert, die Unruhen breiteten sich schnell aus. Selbst das zur Unterstützung der Stadtwehr angeforderte Militär wurde der Lage nicht Herr. Wenngleich die Unruhen allgemein verurteilt wurden, hatten sich doch Leute aus allen Schichten daran beteiligt.

Gegen Eheverbot für Beamtinnen

Die frühlingshaft geschmückte Stadthalle konnte den Zorn der deutschen Reichs-Post- und Telegraphenbeamtinnen nicht mildern: Bei ihrer Verbandstagung Mitte Mai stimmten sie gegen das Eheverbot für Beamtinnen. Theoretisch wurde es zwar noch 1919 aufgehoben, doch noch 1937 besagte eine "Zölibatsklausel", daß Beamtinnen bei Heirat entlassen werden konnten, wenn ihre Existenz gesichert schien. Erst Bundesgesetze eröffneten den Frauen uneingeschränkt die Möglichkeit, verheiratet und Beamtin zu sein.

Redakteursstreik des Casseler Tageblatts

Einen Streik der besonderen Art verzeichnet Lokalredakteur Sigmund Dispeker im "Casseler Tageblatt" vom 15. April: Aus Protest gegen die Mammutsitzungen des jungen Stadtparlamentes mit vielen wichtigen Punkten streikten die Journalisten. Am Vortag um 21.15 Uhr hatten die übermüdeten Redakteure die Bleistifte aus der Hand gelegt und waren in ihre Redaktionen geeilt. Dispeker: "Es ist eine physische und technische Unmöglichkeit für die Pressevertreter, derartigen Dauersitzungen in der Berichterstattung gerecht zu werden."


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