1918

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26. November: Nach dem Ersten Weltkrieg liegt die wöchentliche Brotration für die Kasseler Bevölkerung bei 2400 Gramm.

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Sonstige

Auf dem Rathaus weht die rote Fahne

Im November 1918 geht der Erste Weltkrieg zu Ende. Auch in Kassel übernehmen Arbeiter-und Soldatenräte die Macht.

Leutnant Krüger wird die bewegten Tage im November und Dezember nicht überleben. Vor dem Kasseler Hauptbahnhof wehen rote Fahnen als Gruß für die heimkehrenden Frontsoldaten. Doch nicht allen gefällt dieses klare politische Symbol. Eines Tages reißen Offiziere eine Fahne von dem Triumphbogen, der am Bahnhof für heimkehrende Frontsoldaten aufgestellt worden ist, die Wache schießt, Leutnant Krüger bricht tot zusammen.

Eine Randnotiz der Geschichte und gleichzeitig ein Ereignis, das charakteristisch für die Situation in einer deutschen Großstadt wie Kassel am Ende des Jahres 1918 ist. Seit dem Sommer ist klar, daß das Deutsche Reich ganz massiv auf eine Niederlage im Ersten Weltkrieg zusteuert. Und je konfuser die Situation an der Westfront wird, desto deutlicher verliert Kaiser Wilhelm II. an Macht – Frieden mit den Alliierten, vor allem mit dem amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson, ist nur zu bekommen, wenn Deutschland sich von der Monarchie verabschiedet und der Demokratie zuwendet. Das vollzieht sich nicht als glatter Übergang – das Land droht zeitweise im Chaos zu versinken.

Anfang November überschlagen sich die Ereignisse, und ein Kasseler ist mittendrin: Philipp Scheidemann. Am 9. November tritt der Sozialdemokrat Scheidemann um 14 Uhr in eines der hohen Fenster der Berliner Reichskanzlei und ruft die Republik aus. Damit kommt er dem Vertreter der extremen Linken, Karl Liebknecht, zuvor, der um 16 Uhr vorm Berliner Stadtschloß die "unabhängige sozialistische Republik Deutschland" proklamiert.

Der 53jährige Scheidemann, ehemaliger Buchdrucker, Redakteur und unter dem Pseudonym Henner Piffendeckel auch beliebter Mundartschriftsteller, steht plötzlich im Zentrum der Macht und greift sie mit beiden Händen. In den kommenden Monaten bestimmt er die Entwicklung der jungen Republik als Mitglied des Rats der Volksbeauftragten und dann als Reichskanzler mit. Am 20. Juni 1919 tritt Scheidemann von diesem Amt zurück, weil er die Bedingungen des Versailler Friedensvertrags nicht mittragen will. Scheidemann wendet sich der Kommunalpolitik zu: Im Jahr darauf wird er Kasseler Oberbürgermeister.

In Kassel geht es im November 1918 auch rund. In den frühen Morgenstunden des 10. November entwaffnen Soldatenpatrouillen Offiziere, um 14 Uhr konstituiert sich in einer Generalversammlung der Arbeiter- und Soldatenrat, und Oberbürgermeister Erich Koch freut sich, daß "die Bewegung in geregelte Bahnen" gelenkt wird. Der Rat wird von allen Regierungsstellen als Behörde anerkannt. An seiner Spitze stehen der Vorsitzende des Gewerkschaftskartells, Albert Grzesinski, und Richard Hauschildt, Redakteur beim Casseler Volksblatt. Die beiden Sozialdemokraten haben sich bereits im Januar einen Namen als Vertreter der Arbeiterschaft gemacht, als es darum ging, den Streik der Rüstungsarbeiter friedlich zu beenden. Der Rat bezieht Quartier im Kasseler Rathaus. Auch hier weht schon bald auf dem Dach die rote Fahne.

Fast täglich erscheinen jetzt Aufrufe und Bekanntmachungen in den Zeitungen, in denen die Kasseler gemahnt werden, sich an Recht und Ordnung zu halten. Trotzdem wird geplündert, Menschen werden auf offener Straße überfallen und beraubt. Der politische Umschwung, die Kriegsniederlage mit der Folge, daß sich das Militär fast von heute auf morgen auflöst, und die immer noch katastrophale Versorgungssituation – am 26. November liegt die wöchentliche Brotration bei 2400 Gramm – erweisen sich als explosives, anarchisches Gemisch.

Der Sicherheitsdienst des Arbeiter- und Soldatenrates soll dem entgegenwirken, bekommt die Situation aber nur bedingt in den Griff. Am 14. November können sich Grzesinski und Hauschildt ganz staatsmännisch geben. Um 12 Uhr, so berichtet die Casseler Allgemeine Zeitung, quartiert sich Paul von Hindenburg, Oberbefehlshaber der deutschen Truppen, im Schlosshotel ein. Von hier aus will der Generalfeldmarschall die Demobilmachung der Truppen leiten. Um möglichem Unmut der Bevölkerung gegen den Feldherrn vorzubeugen, verkünden die Räte ganz eindeutig "seine Person steht unter unserem Schutz". Und billigen ihm zu, Waffen tragen zu dürfen.

Gegen Ende des Jahres ist die kurze revolutionäre Phase der deutschen Geschichte auch in Kassel vorbei. Die Räte verlieren an Einfluß, symbolisiert wird dies durch die Gründung der Casseler Stadtwehr, die den Sicherheitsdienst der Räte ablöst und in ihren Reihen Vertreter "der alten Ordnung", so zeitgenössische Quellen, hat. Albert Grzesinski wird seine politische Karriere als Stadtverordnetenvorsteher fortsetzen.

"Junge Leute in Maskeraden, Cowboy- und Wild-West- sowie anderen Kostümen" registriert das Casseler Tageblatt etwas naserümpfend in der Silvesternacht 1918/19. So lebhaft wie schon seit Jahren nicht mehr wird offenbar noch einmal das Kriegsende gefeiert. Die Königsstraße bietet zwischen Mitternacht und zwei Uhr morgens ein Bild, "wie man es an schönen Sommernachmittagen kaum lebhafter antreffen kann." Auch das Wetter ist mild.

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