1917

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Ereignisse

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  • 1. März: Im Ersten Weltkrieg wurden im dritten Kriegswinter 1917 die Lebensmittel knapp. Die Stadt Kassel gibt einen Vordruck heraus, um die Kartoffelvorräte zu erheben.

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Sonstige

Kohlrüben und Rüstungsaufträge

Die schlechte Ernte führt zu Lebensmittelknappheit im dritten Kriegswinter. Die Firma Henschel baut das Werk Mittelfeld, um die Rüstungsaufträge zu erledigen.

Es ist bitterkalt im dritten Kriegswinter. Das Thermometer sinkt auf minus 16 Grad, in den Wohnungen in Kassel gehen wie überall in Deutschland die Heizvorräte zur Neige. Jeder Familie steht pro Woche nur ein Zentner Kohlen zur Verfügung. Der Kohlenmangel veranlaßt die Kasseler Stadtverwaltung Schulen und andere öffentliche Gebäude im Winter zu schließen. Die Murhardsche Bibliothek beispielsweise öffnet erst wieder im Mai. Das Rathaus gibt ein Merkblatt heraus mit Ratschlägen an die Bürger zur sparsamen Feuerung von Öfen und Herden. Das Gaswerk informiert über Sparregeln beim Verbrauch dieser Energie.

Die Menschen in Kassel frieren aber nicht nur, sondern sie hungern auch. Die schlechte Ernte des Vorjahrs überall im Land führt dazu, daß Lebensmittel knapp sind. In den Kasseler Tageszeitungen appelliert die Obrigkeit an die Bürger, zu haushalten.

Vor moralischen Appellen wird nicht zurückgeschreckt: "Wer Brotgetreide verfüttert, versündigt sich am Land." Im Februar 1917 kürzen die staatlichen Stellen die Lebensmittelrationen. Kartoffeln, Butter, Brot und Fleisch werden auf Karten ausgegeben. Bestimmte Bevölkerungsgruppen, beispielsweise Kleinkinder und Schwerarbeiter, erhalten zusätzliche Rationen an Brot und Kartoffeln.

Die Stadtverwaltung mit Oberbürgermeister Dr. Erich Koch-Weser an der Spitze, dem späteren Reichsinnenminister, kontrolliert genau die Menge an Lebensmitteln. Am 1. März gibt die Stadt einen Vordruck heraus, um die Kartoffelvorräte zu erheben. Als sich herausstellt, daß sie nicht reichen, werden in Kassel ungewöhnliche Wege beschritten: Der Truppenübungsplatz in Waldau wird zum Kartoffelacker umfunktioniert.

In ihrer Not bringen viele Familien in der nordhessischen Großstadt Kohlrüben auf den Tisch. Aus der Hackfrucht werden Suppe und Gemüse zubereitet, die Steckrüben dienen aber auch als Ersatzstoff für Kaffee und als Rohstoff für Marmelade.

Der Krieg beeinflußt nachhaltig die Lage auf dem heimischen Arbeitsmarkt. Die Arbeitsvermittlungsstelle in Kassel, die am 1. Oktober 1917 zum Arbeitsamt erweitert wird, stellt einen Mangel an "männlichen Arbeitskräften" fest – Folge des Heranziehens zum Kriegsdienst. Als "Ersatz", wie es in einem amtlichen Bericht der Stadtverwaltung heißt, müssen Frauen in den Fabriken schuften. Dennoch ist der Arbeitskräftemangel groß: 4466 offenen Stellen stehen 2799 arbeitssuchende Kasseler gegenüber.

Das Arbeitsamt beklagt sich allerdings darüber, daß die Landwirte keine offenen Stellen auf ihren Höfen melden, sondern überwiegend Kriegsgefangene auf ihren Feldern beschäftigen.

Der Lokomotivenbauer in Kassel, die Firma Henschel und Sohn AG, wird mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs auch zur Rüstungsschmiede. Die Arbeiter produzieren Geschosse, Zünder und Munitionswagen. 1915 bereits hatte Firmenchef Carl Henschel dem Kriegsministerium den Bau von Geschützen angeboten. Die Politiker aber lehnten ab, da zu jenem Zeitpunkt das Heer an allen Fronten siegte und die Regierung daher einen baldigen Friedensschluß erwartete. Dazu kommt es nicht, das Heer benötigt Waffen, die Henschel bauen soll. Da der Platz in den Fabrikhallen in Rothendithmold nicht ausreicht, baut Henschel eine neue Anlage für den Geschützbau, das Werk Mittelfeld. Im Mai 1918 wird es seiner Bestimmung übergeben.

Die Rüstungsproduktion läuft auf Hochtouren, die Arbeiter müssen Nachtschichten einlegen, um die Aufträge zu schaffen.

Die Henschelaner – die Beschäftigtenzahl lag 1908 bei 6200 und hatte 1922 ihren Höchststand mit 10733 – fertigen neue Geschütze an, arbeiten aber auch erbeutete Geschütze sowie Maschinenkanonen der Marine für die Fliegerabwehr um.

Der Lokbau wird parallel dazu mit Hochdruck vorangetrieben. Henschel liefert der Reichsregierung 798 Feldbahn-Lokomotiven, 1917 fährt erstmals die Kriegs-Einheits-Lokomotive aus den Fabrikhallen. 433 Exemplare dieser Baureihe werden ausgeliefert.

Der Dank des Kaisers für diese Anstrengung ist der Firma gewiß. Am 31. August 1918 kommt Wilhelm II. nach Kassel und zeichnet Carl Henschel und einige seiner Angestellten und Arbeiter mit dem Verdienstkreuz für Kriegshilfe aus.

Das Ende des Kriegs im Jahr 1918 zwingt Henschel zur Umstellung: Die Maschinen für die Rüstungsproduktion müssen auf Druck der Siegermächte verschrottet werden. Andererseits ist der Neuaufbau der Eisenbahn-Infrastruktur notwendig. Die Firmenleitung investiert, vergrößert das Werk Mittelfeld zum Bau von Lokteilen. Außerdem werden ein eigenes Dampfkraftwerk und eine Gießerei errichtet. Ab 1925 werden im "Werk Mittelfeld" 35 Jahre lang Lastkraftwagen und Busse hergestellt.

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