1916

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Hunger und Dreiklassenwahlrecht

Mangelwirtschaft und Hunger bestimmten das städtische Leben im Kriegsjahr 1916. Die Stadtverordneten wurden noch ein letztes Mal nach dem Dreiklassenwahlrecht gewählt.

Der Krieg geht nun schon in das dritte Jahr. In der Residenzstadt Cassel leben 1916 über 167000 Einwohner, im Landkreis weitere 50000 Menschen. Im Kriegsgefangenenlager in Niederzwehren gibt es jetzt weit über 36000 Insassen. Und es wird immer schwerer, genügend Nahrung für die Menschen herbeizuschaffen.

Zwar werben die Textilkaufleute zum Jahresanfang für den Winter-Ausverkauf, aber der Mangel wird immer offensichtlicher. Ständig sind Bestandserhebungen, Verarbeitungsverbote und Beschlagnahmungen für Stoffe, Web- und Wirkwaren, Leder und andere Dinge des täglichen Lebens angekündigt. Selbst für Käse und Marmelade werden Höchstpreise festgesetzt, täglich wird in den Zeitungen die Mahnung wiederholt: "Wer Brotgetreide verfüttert, versündigt sich am Vaterlande und macht sich strafbar." Die Ausgabe von Brotkarten gehört längst zum Alltag. Weil die Schlachttiere knapp sind, müssen auch Speck und Schmalz rationiert werden; Petroleum für die Lampen gibt es ebenfalls nur noch mit Karte.

Die Gastwirte der Stadt protestieren gegen eine Bierpreiserhöhung der Brauerei-Vereinigung von 27 auf 32 Mark pro Hektoliter und sehen sich durch diese "schwer schädigende Maßregel" in ihrer Existenz gefährdet. Der Grund für die Erhöhung: Die Biererzeugung wurde per Verordnung auf 60 Prozent herabgesetzt, weil die Gerste für die Ernährung der Menschen benötigt wird. Zusätzlich zur Produktionsbeschränkung müsse man erhebliche Mengen Bier an die Truppen liefern, klagt die Brauerei-Vereinigung, bittet das "konsumierende Publikum" um Verständnis und bemerkt, "daß es sich hierbei um eine durch den Krieg hervorgerufene vorübergehende Maßnahme handelt". Doch der Krieg sollte länger dauern, als viele Menschen befürchten.

Die kaiserliche Propaganda-Maschine läuft auf Hochtouren. Die Zeitungen, die inzwischen ernsthafte Schwierigkeiten bei der Papierbeschaffung haben, drucken Kriegstagebücher, der Fortsetzungsroman trägt den Titel "Die Kriegsbraut". Fast täglich werden Namen von Soldaten veröffentlicht, die mit Eisernen Kreuzen ausgezeichnet wurden.

Doch neben den täglichen Erfolgsmeldungen von allen Fronten tauchen jetzt auch Informationen auf, die Leid und Elend des Krieges anschaulich machen. Die Frage "Wann erhalten die kriegsbeschädigten Mannschaften die Verstümmelungszulage?" wird in Zeitungsartikeln beantwortet, das Kino wirbt für einen Film, der zeigt, wie Kriegsversehrte mit Hilfe von Prothesen wieder arbeiten können: "Es gibt uns das befreiende und beglückende Gefühl der Gewißheit, unsere opfermutigen Helden wieder als rüstig Schaffende unter uns zu sehen."

Im März ist seit 19 Monaten Krieg, und das Reich braucht frisches Geld für den militärischen Nachschub. Die Städtische Sparkasse wirbt für die vierte Kriegsanleihe, die zur "Siegesanleihe" werden soll. "Wer nicht zahlt, was er entbehren kann, verlängert den Krieg", wird den Menschen die "Waffe der Daheimgebliebenen" erklärt. Im Bezirk der Reichsbankstelle Cassel kommen über 113 Millionen Mark zusammen, im Oktober erbringt die fünfte Kriegsanleihe weitere 103 Millionen Mark im Bezirk. Doch die Anteilscheine, die die Einzahler bekommen, werden bald nicht mal mehr das Papier wert sein, auf dem sie gedruckt wurden.

Für die Stadtverordnetenwahlen im Februar hatten der konservativ-liberale Casseler Bürgerverein und die Sozialdemokraten ein ungewöhnliches Abkommen getroffen und sich auf eine Kandidatenliste verständigt. In Zeitungsanzeigen appellierte der große Wahlausschuß an sämtliche Mitbürger, sich an der Wahl zu beteiligen und den aufgestellten Kandidaten ihre Stimme zu geben. Offenbar war im Krieg ein gewisses Gemeinschaftsgefühl auch auf kommunaler Ebene gewachsen, das die gegensätzlichen politischen Auffassungen in den Hintergrund treten ließ. Er kenne keine Parteien mehr, hatte der Kaiser bei Ausbruch des Krieges Anfang August 1914 gesagt, er kenne jetzt nur noch Deutsche.

Am bestehenden Dreiklassenwahlrecht änderte die ungewöhnliche Einigung über Parteigrenzen hinweg freilich nichts. Auch bei den Kommunalwahlen wurden in der Kaiserzeit die Wähler nach der Höhe der von ihnen aufgebrachten direkten Steuern in drei Klassen eingeteilt. Jede Klasse entsprach genau einem Drittel des gesamten Steueraufkommens. Dadurch wählten die wenigen Höchstbesteuerten genauso viele Kandidaten wie die zahlenmäßig wesentlich größere mittlere Klasse und die Masse der gering oder überhaupt nicht besteuerten Bürger der dritten Klasse.

Selbstverständlich wurde damals auch getrennt gewählt. Am 23. Februar stimmte die dritte Klasse ab, am 24. Februar folgten die Wähler der zweiten Abteilung, und am 25. Februar schritten die Wähler der ersten Klasse zu den Urnen. Im Ergebnis hatten 41 Wähler der ersten Klasse vier Stadtverordnete gewählt, 402 Wähler der zweiten Klasse sechs Kandidaten ins Stadtparlament entsandt und 2933 Wähler der dritten Klasse vier Kandidaten durchgebracht.

Die Zahlen machen anschaulich, daß dieses Wahlrecht den Besitzenden unverhältnismäßig großen Einfluß sicherte und deshalb seit langem im Brennpunkt politischer Auseinandersetzungen stand. Der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann hatte das Dreiklassenwahlrecht zur Rathauseinweihung 1909 in einem Mundart-Vers so beschrieben: "Kasseler Dreiklassenhus! / Was hodd das for’n Sinn? / De armen Luder bliewen drus’, / De Reichen kommen ’nin."

Der Kaiser kam Ostern 1917 zu dem Schluß, daß "nach den gewaltigen Leistungen des ganzen Volkes in diesem furchtbaren Kriege" für das Klassenwahlrecht in Preußen kein Raum mehr sei, und im Oktober 1918 beschlossen Abgeordneten- und Herrenhaus dessen Beseitigung. Doch erst die Revolution im November fegte das Dreiklassenwahlrecht endgültig hinweg.

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