1911

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Ereignisse

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  • 16. April: Die Kasseler Pferdedroschken bekommen Konkurrenz: durch die Stadt fahren die ersten motorgetriebenen Taxis.

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Juni

  • Der Musikverein Rhena wird gegründet.

Juli

  • 6. Juli: In der Kasseler Stadtverordnetenversammlung wird der Bau der Stadthalle im Florapark mit 35 gegen neun Stimmen und bei zwei Enthaltungen beschlossen. Für den Bau werden 1200000 Mark bewilligt und es wird ein Ideenwettbewerb ausgeschrieben.

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Sonstige

Besucherrekorde – Weltstadtgefühle

Kongreßstadt Kassel – Im Jahr 1911 jubelten die Zeitungen über vielfältigen Trubel in "unserer Fremdenstadt". Und das "Stadthallenprojekt" kam auch endlich in Gang.

Dachdeckermeister, Volksschullehrer, Gastwirte, Tanzlehrer, Schornsteinfegermeister, Bienenzüchter, Krankenkassenvertreter, Jugendbund, Steinbruchsberufsgenossenschaft, Schuldirektoren, Barbiere, Friseure, Perückenmacher – alle tagten und konferierten 1911 in Kassel.

Und wieder einmal wiesen alle Zeitungen darauf hin, was Kassel fehlte: eine moderne und geräumige Versammlungshalle" sei für die weitere Entwicklung Kassels zur Kongreßstadt dringendes Bedürfnis.

Eigentlich schwelte das "Stadthallenprojekt" schon seit 1878 vor sich hin und scheiterte immer wieder daran, daß es keinen passenden Bauplatz gab. Im Juni 1911 kam die Sache endlich in Gang: Der Geheime Kommerzienrat Sigmund Aschrott schenkte der Stadt – anläßlich seines 85. Geburtstags – den im Westen gelegenen Florapark; mit der Auflage, auf dem 20000 Quadratmeter großen Gelände bis zur Kasseler Jahrtausendfeier im Jahr 1913 eine Stadthalle zu bauen. Das Geschenk entfachte zunächst einen "Streit der Meinungen": der Florapark sei zu weit am Rande der Stadt gelegen; die Stadthalle drohe zum "Etablissement für die oberen 10000" zu werden; Aschrott spekuliere nur darauf, durch eine Stadthalle im Florapark sein Land im Westen aufzuwerten.

Bau beschlossen

In der Stadtverordnetenversammlung am 6. Juli 1911 wurde der Bau der Stadthalle im Florapark schließlich mit 35 gegen neun Stimmen und bei zwei Enthaltungen beschlossen. Für den Bau wurden 1200000 Mark bewilligt und es wurde ein Ideenwettbewerb (Einsendefrist 15. 11. 1911) ausgeschrieben. Der etwaige Vorteil des Herrn Aschrott decke sich vollkommen mit den eigenen Interessen der Stadt selbst; wenn es eine Stadtentwicklung geben könne, dann im Westen. Vom Standpunkt der Stadt müsse alles begrüßt werden, was diese Entwicklung fördere, kommentierte die "Hessische Post". Herausragende Veranstaltung des Jahres war die "Jubiläumsausstellung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft"; sie zog vom 22. bis zum 27. Juni 200000 Besucher an: "Cassel war Weltstadt geworden.

Ein solcher Geschäftstag war noch nie in Cassels Mauern wahrzunehmen" druckt die "Casseler Neueste Nachrichten" das Gedränge in der Stadt und auf dem Forst bei Bettenhausen, dem Ausstellungsgelände.

Gezeigt - und teilweise auch verkauft - wurde dort alles, was auch nur im entferntesten mit Landwirtschaft zusammenhängt; beim Durchblättern des zweibändigen Ausstellungskatalogs stößt man auf: Pfirsiche in Gläsern, gekochte Ochsenpökelzungen in konischen Dosen, Blutwurst in Blechbüchsen, Kuhkrippen, kleine Regenmesser für Landwirte, 266 Kaninchen, 491 Pferde, 110 Schäferhunde, 50 Einheiten Fische, Handpumpen, Kartoffelernter, Saatkartoffeln "Original Harzer Koloß", schmiedeeiserne Stallfenster, Wendepflüge, Sitzstütze für Hühnerböden, "Goßmanna" – "Dauerkraftnahrung von Goßmann, aus Cerealien und Früchten hergestellte konzentrierte Dauernahrung, keine Schimmelbildung selbst ohne Verschluß. Für Schiffszwecke, Touristen und Sportsleute sowie in den Tropen Lebende geeignet"... und natürlich gab es auch ein vielseitiges Showprogramm mit "Schwälmer Kapelle, Damenhindernisreiten, Mädchenvölkerball, Knabenschleuderball...".

Die "Hessische Post" bilanzierte: "An den fünf Ausstellungstagen kamen in der Sanitätswache 9 Kopfverletzungen, 11 Armverletzungen, 29 Finger-, 16 Hand-, sechs Fuß- und Zehenverletzungen, 3 Quetschungen, 12 Ohnmachts- und Krampfanfälle, 5 Verletzungen durch Hufschlag, 2 durch Bienenstiche, 1 durch Hundebiß zur Behandlung. An Tieren kamen in sechs Extrazügen mit 157 Wagen allein 426 Pferde an, an toten Gegenständen 1009 Wagenladungen im Gewicht von 6488000 Kilogramm,und Stückgut im Gewicht von 635920 Kilogramm. Die Große Casseler Straßenbahn zeigte sich ihrer Aufgabe vollständig gewachsen, sie beförderte während der sechs Ausstellungstage 516352 Personen, das sind rund 30000 Personen mehr, als in denselben Tagen des Vorjahres. In den Bierwirtschaften kamen 1307 Hektoliter Bier zum Ausschank, die Traubenweinkosthalle hatte sich keines großen Zuspruchs zu erfreuen. In der Molkereikosthalle kamen 12916 Liter Milch und 15120 Butterbrote mit Käse zum Verzehr.

Kaum hatten die Landwirte den Bettenhäuser Forst geräumt, kam die nächste Attraktion: "Cassel soll zum ersten Mal das Schauspiel fliegender Menschen über seinen Dächern haben" kündigte die "Hessische Post" an. Teilnehmer des "Dritten Deutschen Rundflugs" landeten am 3. Juli auf dem Gelände hinter der Nürnberger Straße und begeisterten vor Zehntausende. Die Große Casseler Straßenbahn setzte an den Flugtagen durchgehende Sonderbahnen ab drei Uhr morgens ein. Die Polizei konstatierte "weniger Gewaltverbrechen" als an anderen Tagen und vermutete, daß die "jüngere, männliche Bevölkerung" von der Flugschau so gebannt sei, daß sie nicht auf "schändliche Gedanken" komme. Die Zeitungen widmeten dem Ereignis mehrere Sonderseiten, erläuterten alle Details der Fliegerei und beschworen "... im Surren der Propeller, im rauschenden Luftstrom den Flügelschlag einer neuen Zeit".

Das nächste Riesenspektakel erlebte Kassel im Oktober 1911, als die Leonhard-Tietz-AG am 5. Oktober um fünf Uhr nachmittags an der Königsstraße den "Warenhauspalast" (heute Kaufhof) eröffnete. Am Eröffnungstag drängten sich in der Zeit von 17 Uhr bis 20 Uhr zehntausend Besucher durch die 64 Abteilungen des Hauses, das an der Stelle des alten Hoftheaters errichtet worden war – tageweise Weltstadtgefühle in Kassel.

Die ersten Kraftdroschken

Am 16. April 1911 bekamen die Kasseler Pferdedroschken Konkurrenz: Durch die Stadt fuhren die ersten motorgetriebenen Taxis. Sie bekamen ihren Stellplatz dort, wo noch heute ein Taxistand ist: vor dem Hauptbahnhof. Die Kasseler Fuhrunternehmer Engelhardt und Peter hatten die Automobile bei der Bielefelder Firma Dürkopp, die heute hauptsächlich Nähmaschinen baut, erworben: Stückpreis 12000 Mark. Nun also könne jeder "die Freuden des Automobilfahrens gegen Erlegung des Fahrgeldes genießen", teilte die "Casseler Neueste Nachrichten" mit. Den Fahrpreis regelte eine besondere Polizeiverordnung, die im Adreßbuch nachzulesen ist: "Taxe (rot 1)" durfte maximal zwei Personen im inneren Kasseler Stadtgebiet befördern; eine Strecke von 600 Metern kostete 70 Pfennige, alle weiteren 300 Meter 10 Pfennige. "Taxe (schwarz 2)" durfte bis zu vier Personen auch außerhalb des inneren Stadtbezirks befördern - 400 Meter kosteten 70 Pfennige, alle weiteren 200 Meter 10 Pfennige. Wartezeit wurde mit 10 Pfennigen pro zwei Minuten berechnet. (siehe auch Patent Köszegi Ausstellung in Kassel)

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