1908

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Sonstige

Die Altstadt wird zum Armenhaus

Während Kassel wächst, gerät die Altstadt in Vergessenheit. Die Hausbesitzer stecken ihr Geld lieber in Neubauten, als die alten Häuser zu sanieren. Die Folge ist ein unbeschreibliches Wohnungselend.

Der Winter hat die Stadt fest im Griff. In den ersten Tagen des neuen Jahres herrscht strenge Kälte. Im Habichtswald und im Reinhardswald sinkt das Thermometer auf minus 17 Grad, in Kassel werden minus 13 Grad gemessen. Die Menschen frieren, die Kohlenpreise steigen. Wer sich keinen Wintervorrat anlegen konnte wie viele Bewohner der Altstadt, ist arm dran.

Die Altstadt mit ihren engen Gassen und verwinkelten Ecken, in die weder Luft noch Licht eindringen, gerät immer mehr zum städtebaulichen Stiefkind. Die Hausbesitzer stecken ihr Geld lieber in Neubauten, für die Sanierung der Altstadtwohnungen bleibt nichts übrig. Kassel dehnt sich weiter nach Westen aus. Wer es sich leisten kann, zieht in die neuen Bürgerhäuser mit ihren hellen, großzügig geschnittenen Wohnungen, die hier entstehen.

Der historische Stadtkern verkommt, er wird zum Armenviertel. So eng wie hier müssen die Menschen nirgendwo sonst in Kassel zusammenrücken. Von den rund 152400 Einwohnern leben 21300 in der Altstadt. Die ist nur 39 Hektar groß, das gesamte Stadtgebiet umfaßt rund 4000 Hektar. Zum Vergleich: Die Unterneustadt war damals 478 Hektar groß.

Die meisten Familien leben in den Altstadtwohnungen unter katastrophalen Bedingungen auf engstem Raum. Die Küche ist nicht selten der einzig beheizbare Raum, der auch als Schlafzimmer dient. Weil Keller, Speicher oder sonstige Lagerräume fehlen, muß sie für alles herhalten. In der Küche werden Kohlen, Brennholz und Kartoffeln gelagert, hier wird die Wäsche gekocht und zum Trocknen aufgehängt.

Die Zeiten sind schlecht. Die Fabriken produzieren, doch die Menschen haben kein Geld, all die Waren zu kaufen. "In den Industriezentren setzt die Arbeitslosigkeit ein", meldet die Zeitung. Auch die Kasseler müssen den Gürtel enger schnallen. Die Hausfrauen sparen am Essen. Fleisch kommt immer seltener auf den Tisch, der Schlachthof hat deutlich weniger zu tun. Die Ausgaben der Armenverwaltung steigen - von rund 276000 Mark im Jahr 1900 auf 477000 Mark.

Etliche Organisationen versuchen, das Los der Armen zu verbessern. So nimmt sich der Vaterländische Frauenverein verheirateten Wöchnerinnen an. Sie werden von Pflegerinnen stundenweise betreut und acht Tage lang verpflegt. Im Winter gibts außerdem Brot und Kohlen sowie Karten für die Suppenanstalt, die in der Oberen Fuldagasse 9 und der Wilhelmshöher Allee 125 Ausgabestellen hat. Der Deutsche Verein für Volkshygiene unterhält eine Milchküche für Säuglingsmilch. Der "Lumpenkranz" des Fräuleins von Heeringen sammelt getragene Kleider ein, arbeitet sie um und verteilt sie zu Weihnachten an bedürftige Familien.

Trotz der vielen Hilfsvereine, deren Arbeit von der Stadt unterstützt wird, fordert die Armut ihren Tribut. Fast 1000 Menschen sterben an den Folgen von Diphterie und Scharlach, Typhus, Ruhr oder Milzbrand. Die meisten Opfer kommen aus der Altstadt. Auch die Kindersterblichkeit ist hier am höchsten. Häufigste Todesursache: Erkrankungen von Lunge und Bronchien als Folge von Kälte und Feuchtigkeit und mangelnder Hygiene in den engen Behausungen.

Vor diesem Hintergrund beschließt der Magistrat, eine Wohnungsinspektion einzurichten. Damit kommt er einer seit langem erhobenen Forderung des Stadtparlaments nach. Die Wohnungsinspektion war bis dahin stets abgelehnt worden mit der Begründung, sie sei zu teuer und greife einer gesetzlichen Regelung vor. Außerdem befürchtete er eine Belästigung der Hausbesitzer – wohl nicht ohne Grund. Der "Verein zur Wahrung der Interessen der Mittel- und Altstadt" hatte schon in früheren Jahren gegen Sanierungspläne protestiert.

Die Kontrolleure des Bauamtes nehmen im September ihre Arbeit auf. Was sie in der Altstadt sehen, ist selbst für damalige Verhältnisse schockierend. "Es sind mir Fälle bekannt", schreibt ein Beamter später in seinem Bericht, ,"wo am hellen Tage Mütter ihre Säuglinge nicht allein in der Wohnung lassen können, um nicht Gefahr zu laufen, daß sie von Ratten angefressen werden." Viele Wohnungen sind so heruntergekommen, daß sie geräumt werden müssen. 1908 werden insgesamt 33 Wohnungen beanstandet, zwei Jahre später sind es bereits 180. Die Beamten halten alles fest, was sie sehen. Mit ihrer Arbeit legen sie zugleich den Grundstein für die Sanierung der Altstadt in den 30er Jahren.


Ein Kasseler beim ersten Länderspiel

Der Kasseler Fußballer Gustav Hensel stürmt für die deutsche Nationalmannschaft aufs gegnerische schweizerische Tor – leider ohne Erfolg. Beim ersten Länderspiel des deutschen Teams in der Geschichte des DFB gegen die Schweiz in Basel müssen sich die Gäste aus Deutschland mit einer 3:5 Niederlage bescheiden.


Ausritt in Wilhelmshöhe

Wie in den Vorjahren wählt die kaiserliche Familie Wilhelmshöhe als Sommerresidenz. Kaiserin Auguste Viktoria und die Kinder treffen am 13. Juli in Kassel ein, Kaiser Wilhelm am 13. August. In einem Schreiben an den Magistrat bedankt sich die Kaiserin für die Glückwünsche zu ihrem 50. Geburtstag und lobt das Gedeihen der Stadt.


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