1906

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Ereignisse

Januar

  • 12. Januar erhielt der Wirt Justus Barthel „im Namen des Königs“ die Konzession für den Betrieb einer weiteren Gastwirtschaft in Bettenhausen, da die Bevölkerungszahl im Stadtteil gerade die Tausendergrenze überschritten hatte. Im Bereich zwischen Leipziger Straße und Dormannweg entstand die „Römerhalle“, benannt nach dem gleichnamigen Pils.

Februar

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März

  • 19. März fand im Bürgermeisteramtam Dorfplatz (heute Höhe Erfurter Straße 8) in Bettenhausen die letzte Gemeindesitzung statt. Am 1. April wurde die bis dato selbstständige Gemeinde Bettenhausen nach 761 Jahren eingemeindet und fortan von der Residenzstadt Kassel verwaltet.

April

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Sonstige

Hochzeit mit der Stadt ohne Festakt

1906 verleibt sich die Stadt Kassel die Dörfer Rothenditmold, Kirchditmold, Bettenhausen und Wahlershausen ein.

Kirchditmolds letzter Bürgermeister, ein Mann namens Trömel, vollzieht am 1. April 1906 die Eingemeindung in die Stadt Kassel. Anscheinend hat der Mann diesen Akt seelisch nicht verkraftet. Denn er soll kurz danach unter eigentümlichen Umständen in die Fremdenlegion gekommen sein. Dieses nette Histörchen zeigt: Die Stimmung muß eher durchmischt gewesen sein. So ging auch die Hochzeit mit der Stadt sang- und klanglos, ohne Abschiedsfeier oder Festakt über die Bühne. Doch die Quellen, soweit überhaupt vorhanden, berichten von einer Pro-Kassel-Stimmung.

Wahlershausen, Kirchditmold, Rothenditmold und Bettenhausen gehören am 1. April 1906 zur Stadt Kassel. Die Dörfer, die ja heute noch als Stadtteile ihre Namen tragen, verloren aus dem Rückblick gesehen, ihre Identität. Für die Stadt bedeutete der Anschluß einen enorm hohen Kostenaufwand, vor allem für die Kanalisation.

Denn bei den Eingemeindungen ging es nicht wie im Falle Wehlheidens um die Ausdehnung als Großstadt von über 100000 Einwohnern. Das Quartett brachte zwar insgesamt 1770 Hektar Fläche und 18203 Einwohner mit. Doch die schmutzigen, vielfach mit Chemikalien vermischten Fabrikabwässer flossen ungeklärt ab. Anlage und Betrieb der Kanalisation sei ohne Zusammenwirken mit der Stadt Kassel nicht möglich, erklärte eine Pro-Kassel-Bürgerinitiative in Wahlershausen. Die Stadtverwaltung ihrerseits bestand darauf, den Anschluß an ihr Kanalisationsnetz mit Hilfe von Eingemeindungen lösen zu wollen. Nicht nur, um rechtlich und technisch geordnete Verhältnisse zu schaffen, sondern auch um einen Ausgleich für die großen finanziellen Aufwendungen zu haben.

Wie in Wahlershausen sammelte man auch in den anderen Dörfern eifrig Unterschriften für die Vereinigung. 1905 kam es zu konkreten Verhandlungen mit der Stadt. Diese riefen jedoch den einigermaßen erbosten Landkreis auf den Plan. Die Bürgermeister von immerhin 37 Kreisorten wiesen den Regierungspräsidenten auf die Nachteile hin, die die Abtrennung der vier relativ finanzkräftigen Gemeinden für sie erbringen würden. Sogar das preußische Herrenhaus mußte sich mit der Angelegenheit befassen. Mit dem Ergebnis: Die Stadt zahlte dem Kreis eine einmalige Ablösesumme von 400000 Mark.

Die beiden Industriestandorte Rothenditmold und Bettenhausen stellten für Kassel fette Brocken dar. Der als "Bethenhusun" 1145 zum ersten Mal urkundlich erwähnte Ort hatte sich früh zur Industriegemeinde gemausert. Die Mühlen an der Losse hatten den Grundstock dazu gelegt. Seine großen Industrieunternehmen – die AEG-Fabrik, die Spinnfaser Aktiengesellschaft und die große Weberei Salzmann – stellten einen Schwerpunkt im nordhessischen Wirtschaftsraum dar. 1877 wurde die Eisenbahn nach Waldkappel, ein Jahr später nach Kassel eröffnet.

Eine ähnliche Entwicklung erlebt Rothenditmold. Das zwischen Angersbach und Döllbachaue gelegene Dorf wächst in den Gründerjahren zu einem Industriestandort heran. Seit 1845 fahren hier die ersten Eisenbahnzüge. 1876 entstehen der Rangierbahnhof und das Eisenbahnausbesserungswerk im Westen, gleichzeitig wurde im Osten der Unterstadtbahnhof gebaut. Die Schiene ist die Voraussetzung für große Industrieanlagen von Henschel und Wegmann.

Der letzte Bürgermeister von Rothenditmold ist der Bäckermeister Heinrich Wiegand. Er räumte 1906 seine Amtsstube an der Wolfhager Straße. Kassel und das Dorf Rothenditmold sind bis auf 60 Meter zusammengewachsen. Für eine Vereinigung mit der Stadt spricht der vorhandene Straßenbahnanschluß seit 1900. Entscheidend ist jedoch auch hier die fehlende Kanalisation, die die relativ armen Dörfer nicht aus eigener Tasche bezahlen können.

Doch ganz so glücklich waren die Rothenditmolder mit der Fusion nicht. So beklagte der Bürgerverein anläßlich seines 25jährigen Bestehens 1931: "Wir verloren 1906 unseren besten Wegbereiter, unsere Gemeindeverwaltung. Deswegen können wir heute nicht feiern und uns noch weniger freuen."

Das hätte man auch anders sehen können: Denn nach der Fusion ging es zügig voran mit der Kanalisation und dem Wohnungsbau. Die heute denkmalgeschützte Rothenbergsiedlung bot für die Arbeiter unter damaligen Verhältnissen viel Komfort und ist als architektonische Meisterleistung bis heute bekannt.

Einen Bürgerverein gibt es ums Jahr 1902/1903 auch in Kirchditmold. Die sich nach Westen ausdehnende Stadt und die damit verbundene Bodenspekulation veranlaßt viele der Grundbesitzer zum Beitritt. Breiten Raum in der Diskussion nehmen die Verkehrsprobleme ein: Bessere Bedienung des seit den 1890ern bestehenden Haltepunktes durch die Eisenbahnverwaltung und die Errichtung einer Straßenbahnlinie. Die größer werdende Gemeinde leidet auch unter ständiger Schulraumnot und Lehrermangel. Wichtige Gründe für eine Fusion.

Einzig die Wahlershäuser freuen sich auch später noch über die Vereinigung: Am 19. April 1931 pflanzen sie eine Linde gegenüber dem alten Betsaalgebäude in der Langen Straße – dort, wo jahrhundertelang eine alte Dorflinde stand.


Zahlen, Daten, Fakten über vier Dörfer

Daten zur Infrastruktur der vier Dörfer vor dem Zeitpunkt ihrer Eingemeindung auf einen Blick:

Rothenditmold
  • Einwohnerzahl: ungefähr 5500; überwiegend Industrie- und Eisenbahnarbeiter und Bedienstete.
  • Wirtschaft: Henschel, Wegmann; eine Jutespinnerei und -weberei; außerdem 60 Handwerksbetriebe sowie 42 Gastwirtschaften und Läden
  • Landwirtschaft: nur noch sechs Bauernhöfe mit insgesamt 50 Kühen;
  • Kirche: eine evangelische Kirchengemeinde;
  • Schulen: eine evangelische Volksschule (20 Klassen, 932 Kinder) und eine katholische (3 Klassen, 80 Kinder);
Bettenhausen
  • Einwohner: ungefähr 5800; vor allem Fabrikarbeiter;
  • Wirtschaft: 31 Fabriken (um 1905), 35 Handwerksbetriebe, 24 Kaufläden, 22 Schankwirtschaften, sieben Metzgereien;
  • Landwirtschaft: 32 Bauernhöfe;
  • Kirche: eine evangelische Pfarrei;
  • Schulen: 1 Kleinkinderschule; eine siebenstufige, in zwei Schulhäusern untergebrachte Volksschule (703 Schüler in 12 Klassen);
Kirchditmold
  • Einwohnerzahl: 1842 hatte das Dorf 99 Häuser und 732 Einwohner, 1900 stieg sie auf 2335, fünf Jahre später 3153 Einwohner; Beamte und Arbeiter der Eisenbahnbetriebe, auch Fabrikarbeiter;
  • Gemarkungsgebiet: 277 Hektar;
  • Wirtschaft: 19 Kaufleute, 23 Handwerksmeister, 14 Gastwirte;
  • Landwirtschaft: acht Landwirte, die vom Fuhrwerksbetrieb lebten;
  • Kirche: Kirchditmold stellte ursprünglich(seit 1526) die evangelische Mutterkirche aller umliegenden Ortschaften, selbst Kassel war dort eingepfarrt; 1906 war nur noch Harleshausen eingepfarrt, das 1908 eine eigene Pfarrei bekam.
  • Schulen: eine siebenstufige, evangelische Volksschule mit 578 Schülern in verschiedenen Schulhäusern;
Wahlershausen
  • Einwohnerzahl 1905: 3711 Einwohner in 369 Häusern (1905); Zuwachs durch Geschäftsleute und Beamte;
  • Gemarkungsgebiet: 585 Hektar;
  • Wirtschaft: Errichtung von Villen und Heilanstalten am Rande des Wilhelmshöher Parks, beachtlicher Fremdenverkehr;
  • Kirche: eigene Pfarrei seit 1903;
  • Schulen: eine Volksschule mit 550 Kindern in zehn Klassen; 113 Kinder gingen 1903 in Kassel zur Schule.

Geboren

Januar

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Februar

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Gestorben

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