1905

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  • 1. Juli: Die Jubiläums- und Gewerbeausstellung eröffnet. Bis zum 3. September war sie in Kassel das zentrale Ereignis des Jahres. 9000 Besucher kamen täglich zum Ausstellungsgelände in der Karlsaue.

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Sonstige

Massenandrang zur Ausstellung

Ausstellungsgebäude in der Karlsaue bei Kassel
s.a. Website messe-kassel

Die Jubiläums- und Gewerbeausstellung vom 1. Juli bis 3. September war das zentrale Ereignis des Jahres. 9000 Besucher kamen täglich zum Ausstellungsgelände in der Karlsaue.

Das "Topereignis" des Jahres war so etwas wie der legitime Vorläufer jener Ereignisse, die später an der Damaschkestraße und dann auf dem Messegelände unter dem Titel "Hausfrauenausstellung" oder "Herbstausstellung" die Massen mobilisierten: Die Jubiläums- und Gewerbeausstellung in Kassel, die vom 1. Juli bis 3. September täglich im Schnitt 9000 Besucher anlockte.

Das Ereignis beeindruckte Besucher wie Veranstalter gleichermaßen. Vor Neid erblassen könnten heutige Ausstellungsmacher allerdings, blickten sie in jenes Werk, das nur wenige Monate nach Ausstellungsende erschien und eine komplette Dokumentation der Schau ist. Auf über 360 Seiten hat Rektor W. Schanze die Ereignisse vor, während und nach der Ausstellung zusammengefaßt (einzusehen im Kasseler Stadtarchiv).

Und den rührigen Herrn Rektor hat es die Nachwelt denn auch zu verdanken, daß man auch noch heute genau weiß, wie es damals so herging - beispielsweise bei der Eröffnung.

Es war Punkt 12 Uhr am 1. Juli, 250 Gäste waren erschienen. Die Kapelle des 83. Infanterie-Regiments spielte zur Eröffnung unter Leitung des Musikdirektors Grosse das Beethoven-Lied "Die Himmel rühmen des Königs Ehre", anschließend hielt Oberbürgermeister August Müller die Eröffnungsansprache. Müller schloß mit den Worten: "Seine Majestät Kaiser Wilhelm II., unser allergnädigster König und Herr, lebe hoch!"

44 Grad Hitze

Nach der Nationalhymne brach die Gesellschaft auf zum Rundgang. Bei 44 Grad Hitze aber wurde das Häuflein der Interessierten immer kleiner - vorübergehend allerdings, denn zum Festmahl in der "Hauptrestauration" waren sie alle wieder da - und noch einige mehr. Um 14 Uhr zählte man etwa 400 Herren - von Damen ist nicht die Rede.

Anlaß der Ausstellung war das 50jährige Bestehen des Kasseler Handels- und Gewerbevereins. Schon 1870 hatte es eine ähnliche Ausstellung gegeben - ebenfalls auf dem Gelände an der Orangerie. Eine Kasseler Zeitung zieht eine erste Bilanz: "Die Beteiligung aller gewerblichen Kreise Kurhessens und Waldecks übertrifft alle Erwartungen, so daß sie in der Tat ein reiches Bild hessischen und waldeckischen Gewerbefleißes bietet."

Den Besuchern wurde ein Querschnitt dessen geboten, was die einheimischen Unternehmen produzierten. Die größte Halle maß 27 mal 90 Meter und zeigte Musterwerkstätten mit den neuesten Maschinen. In der Orangerie wurde Historisches gezeigt, eine Gartenausstellung konnte besichtigt werden, eine Möbelausstellung ebenfalls. Auch andere Zeitungen berichteten über das Kasseler Großereignis. Die "Frankfurter Zeitung" hat der langjährige HNA-Redakteur Wolfgang Hermsdorff ("Ein Blick zurück") ausgewertet. "Eine besondere Abteilung bildet die der Gewerbeförderung gewidmete Ausstellung. Sie enthält die Schülerarbeiten der staatlichen Fachschulen von Kassel, Hanau und Schmalkalden... Sehr lehrreich sind die Aufzeichnungen der Wohlfahrtseinrichtungen der Firma Henschel und Sohn, des Reichsversicherungsamtes und der Landesversicherungsanstalt Hessen-Nassau."

Manches an dieser Ausstellung ist vom Ansatz her so, wie es auch heute noch ist. Selbstverständlich gibt es einen Ausstellungskatalog, in der Stadt wird mit Plakaten geworben, die Pressearbeit ist bis hin zur Fotografie durchorganisiert -und es gibt eine eigene Lotterie. Die Gastronomie versorgt die Besucher während dieses außergewöhnlich heißen Sommers glänzend, täglich gibt es Konzerte mit verschiedenen Kapellen.

84.894 Mark Überschuß

Als die Ausstellung am 3. September schließt, war sie auch wirtschaftlich ein Erfolg. 316.560 Mark wurden eingenommen, 84.894 Mark blieben als Gewinn. 220.000 Besucher waren gezählt worden - die Kasseler hatten in der Regel Dauerkarten. 2.900 Hektoliter Bier wurden verkauft, 4.000 Flaschen Wein. Vom Überschuss, so wurde beschlossen, sollten 75.000 Mark der Stadt Kassel für den Bau einer Gewerbehalle übergeben werden.

Im Schlußwort des rührigen Rektors heißt es dann: "Der großartige Erfolg der Ausstellung soll deshalb dem Handwerk ein Ansporn sein, die Mutlosigkeit und Schwarzseherei zu verabschieden, mit Freudigkeit und Hoffnungszähigkeit seine Segel zu schwellen und auch in Zukunft seine ganze Kraft und Klugheit zum Wohle seines Berufszweiges einzusetzen und zielbewußt anzuwenden."

Dorothea-Viehmann-Schule eingeweiht

Am 16. November wurde feierlich die Dorothea-Viehmann-Schule ihrer Bestimmung übergeben.

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