1605

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Ereignisse

Landgraf Moritz von Hessen-Kassel tritt zum Calvinismus über. Nach dem Augsburger Religionsfrieden hat der Landesherr das Recht, sein Bekenntnis auch seinen Untertanen anzuordnen. Hiervon macht Landgraf Moritz Gebrauch und veranlasst die Untertanen in der Landgrafschaft Hessen-Kassel zum Übertritt zum evangelisch-reformierten Bekenntnis. Dies bringt Moritz jedoch auf Konfrontationskurs mit den Katholiken, da der Religionsfriede zwischen den Katholiken und Lutheranern geschlossen worden ist. Seine Anwendbarkeit auf Reformierte ist fraglich.

Viel wichtiger für die Landgrafschaft Hessen-Kassel ist jedoch die Tatsache, dass mit dem Wechsel zum reformierten Bekenntnis von Landgraf Moritz der so genannte "Hessenkrieg" heraufbeschworen wird. Moritz Onkel Landgraf Ludwig IV. von Hessen-Marburg hatte in seinem Testament verfügt, dass die Landgrafschaft Hessen-Marburg nach seinem Tod zu gleichen Teilen an seine Neffen Moritz (Hessen-Kassel) und Ludwig V. (Hessen-Darmstadt) gehen sollte. Dies jedoch unter der Bedingung, dass die Bevölkerung in Oberhessen evangelisch-lutherischer Konfession bleibt. Ludwig IV. stirbt am 9. Oktober 1604 und die Landgrafschaft Hessen-Marburg wird dem Testament entsprechend geteilt.

Ludwig V. ist mit der Teilung jedoch unzufrieden. Er hat gehofft, die alte Residenz Marburg mit der Universität erhalten zu können. Ihm wird jedoch der südliche Teil Oberhessens mit Gießen zugesprochen. Daher stellt der Konfessionswechsel von Landgraf Moritz für ihn eine glückliche Fügung dar. Am 18. Juni erlässt Landgraf Moritz die so genannten "Verbesserungspunkte" für die evangelische Landeskirche. Dadurch wird das evangelisch-reformierte Bekenntnis mit besonderem niederhessischem Ritus eingeführt. Durch die Hervorhebung des "Zweiten biblischen Gebotes" in den "Verbesserungspunkten" (Exodus, 2. Mose 20, Vers 4 bis 6: "Du sollst dir kein Bildnis noch Gleichnis machen...."), das in der katholischen und in der lutherischen Kirche keine besondere Bedeutung hat, wurde die gesamte Landeskirche von Bilderstürmern in Unruhe versetzt. Moritz ordnet auch in seinen oberhessischen Erblanden den Konfessionswechsel an. Ludwig V. wertet dies als Verstoss gegen das Testament von Landgraf Ludwig IV. von Hessen-Marburg und beansprucht das gesamte Marburger Erbe für sich. Nach dem Richterspruch des Reichshofrates von 1623 verbleibt der Marburger Anteil bei Hessen-Kassel, bleibt jedoch Lutherisch.