100 Jahre Kassel

Aus Regiowiki

Das neue Rathaus (ca. 1912) nach einer Ansichtskarte

Zum Jahrtausendwechsel präsentierte die HNA Ihren Lesern eine komplette Rückschau auf das 20. Jahrhundert - und was in diesen 100 Jahren in Kassel geschah.

Hier finden Sie alle Teile dieser Serie.

1900: Frost und Böller zum Jahreswechsel

Tausende von Kasseler Bürgern zog es am Abend des 31. Dezembers 1899 auf die Straße. Sie feierten mit Feuerwerk und Glockengeläut einen besonderen Jahreswechsel.

Klar und frostig war der 1. Januar des Jahres 1900 in Kassel. In der Silvesternacht hatte es einen Temperatursturz um über zehn Grad gegeben. Reichlich Schnee lag in der Stadt, rund um den Herkules sogar einen guten Meter hoch. Halb Kassel war in der Silvesternacht auf den Beinen. Tausende trafen sich vor der Martinskirche, deren Türme durch Fackeln weithin sichtbar beleuchtet wurden. Schon vor Mitternacht krachten laute Böller, das Läuten der Kirchenglocken um Mitternacht sei im Lärm kaum zu hören gewesen, so der Berichterstatter der "Kasseler Post". Es war ein besonderer Jahreswechsel. Manch einer, der ihn entsprechend gefeiert hatte, wurde schon früh am Neujahrstag aus allen Träumen gerissen. Ab sieben Uhr zog die Kapelle des Infantrie Regiments Nr. 167 mit ihrem "Weckruf" durch Kassel.

Chronik

Die Spuren der älteren Stadt - Nachdenkliches zum Jahresende 1999

Kassel, wie es sich heute darbietet, ist in zwei Epochen zu Hause, einer vorbürgerlichen feudalen und einer nachbürgerlichen, inzwischen auch nachindustriellen Epoche, deren Kennzeichen ein allgemeiner Stilverlust ist.

Wie konnte es zu einer solchen Zeitspreizung kommen? Nun, das alte Kassel war fürstliche Residenz. Und auch später, als Kurhessen an Preußen fiel, blieb die Stadt eine Art Nebenresidenz, dominiert von einer obrigkeitsorientierten Beamtenschaft und vom Militär. Was sich in dieser Sphäre nicht oder nur schwach entwickelte, war ein starkes, selbstbewusstes liberales Bürgertum.

Mit der Industrialisierung zu Beginn des Jahrhunderts gewann die Stadt allerdings auch an wirtschaftlicher Bedeutung. Sie wurde zugleich sozial geteilt. Die Arbeiter wohnten in der Nordstadt und in Bettenhausen, die Wohlhabenderen im Vorderen Westen. Auch diese Teilung ist heute noch erkennbar. So erkennbar und wirksam wie vieles, was scheinbar der Vergangenheit angehört.

100 Jahre sind im Leben einer Stadt eine lange Zeit. Sie wären es auch, wenn die Geschichte einen ruhigeren Verlauf genommen hätte. So aber gab es zwei Kriege und eine grausame Diktatur. Es gab den Wechsel vom Kaiserreich zur ungeliebten Weimarer Republik. Es gab danach zwölf Jahre braune Niedertracht, und die fast völlige Zerstörung.

Nein, ein glückliches Jahrhundert war es für Kassel nicht. Der Blick zurück verklärt freilich vieles, und er tut es umso mehr, je weiter die Ereignisse zurückliegen. Im zeitlichen Abstand liegt ein Zauber, vielleicht ein größerer, als er angeblich in allen Anfängen liegt.



Jens Nähler (2005/12/21 18:04)

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